Oktoberfest
Streit um Wiesn-Zelte: EU-Recht könnte Vergabe ändern
22.04.2026 – 18:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Vergabepraxis der großen Oktoberfestzelte könnte sich in Zukunft ändern. Grund ist eine Antrag eines Wirts. Nicht alles sind davon begeistert.
Ein Münchner Wirt stellt die bisherige Vergabepraxis für die großen Festzelte auf dem Oktoberfest grundsätzlich infrage. Er fordert, dass die Stadt München bei der Zuteilung zweier zentraler Zelte künftig europäisches Vergaberecht anwenden muss. Damit könnte eine EU-weite Ausschreibung der Standplätze für das traditionsreiche Anzapfzelt Schottenhamel sowie das Paulaner-Festzelt erforderlich werden, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. Über den Fall hatte zunächst die Mediengruppe „Münchner Merkur/tz“ berichtet.
Die rechtliche Frage, ob die Zeltvergabe unter das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) fällt, muss nun die Vergabekammer Südbayern klären. Dort ist ein Antrag auf vergaberechtliche Nachprüfung der WE Gutshof GmbH eingegangen, deren Geschäftsführer der Wirt Alexander Egger ist. Er selbst war laut der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Eine Entscheidung soll innerhalb von fünf Wochen fallen. Unabhängig vom Ausgang habe die Entscheidung der Vergabekammer keine unmittelbaren Rechtswirkungen für andere Standplätze auf dem Oktoberfest oder andere Volksfeste, so die Regierung von Oberbayern. Die Stadt München vergibt die Zelte bislang anhand eines Punktesystems, das regelmäßig angepasst und auch kritisiert wird.
Kritik kommt von den Sprechern der großen Wiesnwirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel. Sie warnen im Fall einer EU-weiten Ausschreibung vor einem Verlust der Tradition. Das Oktoberfest sei in seiner mehr als 200-jährigen Geschichte zu einem einzigartigen und schützenswerten Kulturgut geworden, das nicht persönlichen Interessen geopfert werden dürfe.
„Die Vergabepraxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist ein Garant dafür, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort ist, an dem unser bayerisches Brauchtum gepflegt und unsere Traditionen hochgehalten werden“, sagte Schottenhamel, dessen Zelt von dem Verfahren betroffen ist. In dem ältesten Wiesnzelt, das seit 1867 in Familienbesitz ist, eröffnet traditionell der Münchner Oberbürgermeister das Oktoberfest mit dem Anzapfritual.
Egger und seine Frau betreiben seit Jahren ein kleines Zelt auf der Wiesn. Das Ehepaar hatte sich zuletzt für das Paulaner-Festzelt oder die Bräurosl beworben, zwei der großen Festzelte.










