Wer könnte die FDP retten?
Der ehemalige Chef Christian Lindner wurde im Grunde hinausgebissen. Dabei war er das Gesicht der FDP und Vertreter des liberalen Bürgertums.
Sie haben Deutschland einmal mit einer „DDR 2.0“ verglichen. Warum?
Wir sind auf dem Weg in einen Vollkaskostaat. Die Bürger verstecken sich zunehmend hinter dem Staat und übernehmen immer weniger Eigenverantwortung. Wir sind satt geworden, ein Volk von Egoisten, bei dem Gemeinnützigkeit keine große Rolle mehr spielt. Viele rufen nach Veränderung, aber wenn es konkret wird, will niemand betroffen sein. So kommen wir nicht weiter.
Also halten Sie an dieser Bezeichnung fest?
Leider ja. Ich fürchte, wir sind auf dem Weg zu einer DDR 2.0. Ich habe deswegen viel Kritik zu hören bekommen, aber fühle mich bis heute in dieser Aussage bestätigt.
Was läuft aus Ihrer Sicht grundlegend falsch?
Wenn jetzt nicht tiefgreifende Reformen stattfinden, und zwar auf allen Gebieten, dann werden wir ein rückläufiges Wirtschaftswachstum erleben wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bildungspolitik, Rentenpolitik, Sozialpolitik, Migration, Bürgergeld, Verkehrspolitik – all das hängt zusammen. Da fehlt uns die kognitive Flexibilität und die nötige Ambiguitätstoleranz, diese Themen zusammenzudenken. Unsere Politiker sind damit ganz offensichtlich überfordert.
Was machen die Politiker der Regierungskoalition aus Ihrer Sicht falsch?
Sie diskutieren ständig über eine Brandmauer zur AfD, dabei sorgt diese Brandmauer nur dafür, dass sich die AfD schön eingehegt weiterentwickeln kann. Vielmehr sollten sie die Brandmauer aber ein Stück weit öffnen und so die Unfähigkeit der Partei zutage bringen. Es ist notwendig, mit ihr zu reden. Ich sage das auch deshalb, weil unter ihren Wählern eben nicht nur Rechtsradikale sind. Da sind auch Rechtskonservative dabei, ganz normale Menschen, die früher vielleicht CDU oder CSU gewählt haben und sich aus Verzweiflung dorthin begeben haben.
Sie wollen die AfD also normalisieren?
Nein. Aber sie ist eine Partei im Sinne unseres Parteiengesetzes. Das kann ich nicht negieren. Natürlich gibt es in der Partei extreme Strömungen. Aber es gibt eben auch Wähler, die den anderen Parteien Reformen nicht mehr zutrauen.










