Michael Klisch, Bürgermeister der Nordsee-Marschinsel Hallig Hooge und Wattführer
„Das Wetter bestimmt hier alles. Wenn ich morgens meinen Computer einschalte, checke ich als Erstes die Wettervorhersage. Nicht beiläufig, sondern ganz bewusst: Windrichtung, Wasserstände, das Regenradar. All das bestimmt, wie mein Tag aussehen wird – als Bürgermeister und als Wattführer.“
Im Moment ist alles nass. Bis vor wenigen Tagen lag seit Anfang Januar eine ununterbrochene Schneeschicht auf der Insel – eine echte Ausnahme. Wochenlang war alles weiß, die Geräusche waren gedämpft, als befände sich die Insel unter einer Glaskuppel. Jetzt schmilzt der Schnee. Der Boden ist noch gefroren und auf den Wiesen und Straßen liegen Pfützen. Letzte Nacht hat es stark geregnet.
Typisch für diese Insel ist der Wind. Wind ist hier kein Ereignis – er ist die Norm. Im Winter liegen die Temperaturen oft nur wenige Grad über Null. Der feuchte, kalte Wind entzieht den Häusern die Wärme – und damit auch dem Körper.
Als Wattführer muss ich jeden Tag entscheiden, ob ich Besucher ins Watt mitnehmen darf oder nicht. Mit der richtigen Kleidung ist Regen kein Problem. Aber für Gewitter kann man sich nicht kleiden: Sollte das der Fall sein, müssen wir die Touren absagen. Und dann ist da noch der Klimawandel. Wenn der Meeresspiegel steigt, erreichen Sturmfluten höhere Niveaus, und auf unserer Insel erhöht sich das Risiko, dass Land häufiger und länger überschwemmt wird. Wir nennen das Landunter: Gezeitenüberschwemmung.
Und dann ist da noch die Fähre – unsere Lebensader. Wenn ich zu einem Arzttermin oder einer Fortbildung ans Festland möchte, entscheiden Wind und Gezeiten darüber, ob das möglich ist oder nicht. Manchmal fährt die Fähre zu einer anderen Zeit, manchmal überhaupt nicht. Wenn das passiert, verpasse ich Anschlüsse und Termine müssen verschoben werden. Aber auch das kann seine positive Seite haben. Wenn draußen alles stillsteht, besuchen Sie vielleicht spontan Ihren Nachbarn auf eine Tasse Tee. Hier hat immer das Wetter das letzte Wort.
