„Wer auf Social Media ist denn echt?“

Dieser Sänger existiert nicht – und hat trotzdem Erfolg


16.08.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 4 Min.

Rapper Nimi: „The realest AI-Artist out here“, wie er sich selbst nennt, bei einem fiktiven Auftritt. (Quelle: KI-generiert vom Team hinter KI-Rapper Nimi)

Seit Juni geht ein Song viral: „Wieso sagt ChatGPT“ von Nimi. Auf den ersten Blick ist daran nichts ungewöhnlich – aber Nimi ist kein Mensch.

In einem Video auf Instagram steht ein Mann mit Sonnenbrille und Händen in den Hosentaschen vor einer orangefarbenen Wand. Ein Mikro hängt von der Decke. Dann singt er mit sanfter Stimme: „Mama sagt, bleib ruhig, denn ich drehe durch.“ Die Kamera zoomt raus, er wippt zum Beat mit: „Bin ein bad man, bleib immer bad man, Bro.“

Auf den ersten Blick wirkt alles normal: junger Künstler, eingängige Songs, gute Vermarktung auf Social Media. Die Details und spätestens die Instagram-Profil-Bio verraten aber, dass der Künstler namens Nimi eigentlich gar nicht existiert. Zumindest nicht wirklich. Nimi ist ein KI-Künstler. Die Stimme, sein Aussehen, die Auftritte und Musikvideos sowie die Interviews sind mit KI generiert.

Nimi, wer bist du?

Auf Instagram folgen dem Profil Nimithegreatx derzeit 72.000 Follower, auf TikTok haben seine Videos bereits eine Million Likes geholt. Die verwendeten Hashtags sind „Deutschrapnewcomer“, „Underground“, „Newmusic“. Es wirkt alles so, wie es bei aufstrebenden Künstlern abläuft. Nimi hat sogar schon ein Feature mit dem Rapper Manuellsen, der keine KI ist. Damit entstand eines der ersten Lieder in Deutschland, bei der ein KI-Rapper und ein realer Künstler zusammengearbeitet haben.

Auf Anfrage von t-online hat sich das Team hinter der KI-Persona geäußert: „Hinter Nimi steht ein kleines, eingespieltes Team, eine Freundesgruppe mit afrikanischen Wurzeln.“ Die kreative Leitung liege bei einer Person aus der Gruppe.

In der Rap-Szene geht es oft darum, wer „fake“ oder „real“ ist – wer zu den authentischen, echten Rap-Künstlern zählt und wer nicht. In einem KI-generierten Video, das ein Interview mit Nimi darstellen soll, antwortet die KI-Persona dort auf die Aussage, dass ihn manche Leute als nicht echt bezeichnen würden: „Hm, wer von den Leuten auf Social Media ist denn echt?“ In Bezug auf KI-Künstler wie ihn wird diese Frage derzeit neu verhandelt.

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Echte Erfahrungen, echte Geschichten

Nimi ist laut seinem Team als Kunstprojekt gedacht. Musik habe die Gruppe schon vorher gemacht – die Figur sei eher ein neuer Weg, diese Musik nach außen zu bringen. „KI ist dabei ein Werkzeug, kein Ersatz für Kreativität“, erklären sie.

Aber wie authentisch ist ein Künstler, dessen Figur künstlich erzeugt wird? Die Macher von Nimi sagen: „Nimi als Figur ist generiert, aber die Texte und die Geschichten dahinter sind es nicht.“ Sie würden auf echten Erfahrungen basieren, wie bei jedem anderen Songwriting auch. Insofern mache nicht die Figur die Songs authentisch, sondern das, was durch sie erzählt wird.

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