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Wirkt Cannabis gegen Nervenschmerzen?


21.02.2026 – 06:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Tabletten und ein Cannabisblatt: Cannabispräparate, Schmerzmittel oder Placebo – was wirkt besser? (Quelle: PeopleImages/getty-images-bilder)

Gegen chronische Nervenschmerzen gibt es bislang kaum wirksame Medikamente. Ob Cannabis Abhilfe schaffen könnte, sollte eine Übersichtsarbeit klären.

Eine kürzlich in der „Cochrane Database of Systematic Reviews“ veröffentlichte Übersichtsarbeit liefert ein ernüchterndes Ergebnis: Für cannabisbasierte Medikamente gibt es nach wie vor keinen verlässlichen Beleg, dass sie chronische Nervenschmerzen wirksam lindern.

Nervenschmerzen, fachsprachlich neuropathische Schmerzen genannt, sind Anzeichen für eine Nervenschädigung. Ist diese bloß auf einen oder wenige Nerven begrenzt, besteht eine Chance auf Heilung.

Häufig stecken jedoch Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes oder ein hoher Alkoholkonsum dahinter: Beides kann an vielen Stellen im Körper Nervenfasern dauerhaft schädigen. Die Folge sind anhaltende beziehungsweise chronische Nervenschmerzen. Weitere mögliche Ursachen sind Gürtelrose und andere Infektionskrankheiten sowie Chemotherapien, Schlaganfälle und Multiple Sklerose.

Die Behandlung chronischer Nervenschmerzen gestaltet sich schwierig. Die gängigen Medikamente, darunter bestimmte Antidepressiva und Antiepileptika, helfen nur wenigen Betroffenen in ausreichendem Maße.

Daher wollte das Forschungsteam den Nutzen und das Risiko von Arzneimitteln auf Cannabisbasis für Erwachsene mit Nervenschmerzen neu bewerten. Dazu analysierte es 21 Studien, die strenge wissenschaftliche Anforderungen erfüllten und insgesamt 2.187 Teilnehmer umfassten. Untersucht wurden Cannabispräparate, die

Die als Tabletten, Sprays, Cremes oder Pflaster verabreichten Cannabispräparate wurden mit einem Scheinmedikament (Placebo) oder mit einem anderen Schmerzmittel verglichen. Als erfolgreiche Behandlung galt eine Schmerzreduktion von mindestens 50 Prozent oder eine deutliche subjektive Verbesserung.

Die Auswertung ergab: Für keines der Cannabispräparate ließ sich klar nachweisen, dass es Nervenschmerzen wesentlich besser lindert als Scheinmedikamente. Auch nach Angaben der teilnehmenden Personen war der schmerzlindernde Effekt von Cannabis nicht überzeugend.

Produkte mit einer Kombination aus THC und CBD führten laut den Betroffenen zwar zu kleinen Verbesserungen. Das Forschungsteam hielt diese jedoch nicht für bedeutsam und bewertete die Belege für den Nutzen von Cannabis insgesamt als sehr unsicher.

Das Ergebnis der aktuellen Übersichtsarbeit bedeutet aber nicht automatisch, dass Cannabis gegen Nervenschmerzen wirkungslos ist. Das Problem besteht vielmehr darin, dass die Qualität vieler Studien zu wünschen übrig lässt. Um den Nutzen und die Risiken von Cannabispräparaten zuverlässig beurteilen zu können, sind daher größere, methodisch hochwertige Untersuchungen mit längerer Behandlungsdauer notwendig.

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