In der Vergangenheit hat es mehrfach Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus gegeben. Auch deshalb gilt eine teilweise Sperrung als realistisches Szenario. Der Nahost-Experte Benjamin Jensen vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) geht in einer Analyse, die noch vor der neuerlichen Eskalation veröffentlicht wurde, davon aus, dass Teheran die Meerenge blockieren könnte.
„Der Einsatz von Einweg-Angriffsdrohnen und das Verlegen von Minen bieten eine Möglichkeit, die Eskalation zu steuern, ohne sich in einen großen Krieg hineinziehen zu lassen. Der Iran könnte sich dafür entscheiden, Minen zu verlegen“, heißt es in der Analyse von Jensen. Solche Schritte könnten den Schiffsverkehr verlangsamen und Reedereien abschrecken – ohne dass es zu einer formellen Blockade seitens des Iran kommt.
Schon die Androhung von Störungen kann eine Risikoprämie auf den Ölpreis treiben. Händler kalkulieren mögliche Ausfälle ein, Staaten prüfen ihre strategischen Reserven, Unternehmen sichern sich Lieferungen. Auf diese Weise steigt der Preis vorsorglich, um mögliche Engpässe vorwegzunehmen. Steigende Energiepreise wirken dann wie eine zusätzliche Belastung für Industrie und Verbraucher.
„Wenn Iran glaubhaft drohen sollte, Tanker in der Straße von Hormus zu beschießen, dann würden Versicherungen schnell keine Durchfahrten mehr in der Region zulassen“, sagte Steffen Bukold, Chef der Hamburger Beratungsfirma Energycomment, dem „Spiegel“. „Es hängt also maßgeblich von Teheran ab, ob wir nur einen kurzfristigen Preisanstieg sehen werden oder eine länger anhaltende Störung der Weltmärkte.“
Von einer möglichen Blockade der Meerenge könnten insbesondere US-amerikanische Energiekonzerne profitieren. Die USA sind der größte Erdölproduzent und der größte LNG-Exporteur der Erde. „Wenn LNG-Ausfuhren aus Katar wegfallen sollten, wäre Europa noch abhängiger von Flüssigerdgas aus den USA“, so Bukold. „Schon heute wird Europa zu etwa 60 Prozent mit US-LNG versorgt.“
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Die internationale Handelsschifffahrt befürchtet bereits jetzt spürbare Auswirkungen. „Die aktuelle Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten – das spüren unsere Reedereien und ihre Besatzungen unmittelbar“, sagte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR) dem „Spiegel“.
