Reisen mit Phobie

So verhindern Sie, dass die Angst Ihren Urlaub bestimmt


30.03.2026 – 14:57 UhrLesedauer: 4 Min.

Eine Frau vor dem Einstieg ins Flugzeug (Symbolbild): Phobien wie etwa die Flugangst sind weitverbreitet. (Quelle: FluxFactory/getty-images-bilder)

Mit einer Phobie auf Reisen zu gehen, ist mitunter alles andere als erholsam. Betroffene können jedoch lernen, wieder mehr Urlaubsfreude zu erleben.

Schon die Planung von Urlaubsreisen kann Menschen mit Phobien vor große psychische Herausforderungen stellen: Sie denken womöglich nur noch an den Flug, an Menschenmengen, gefährliche Wanderwege oder Spinnen in der Ferienunterkunft. In vielen Fällen lassen sich solche Angststörungen aber gut behandeln.

Phobien können die unterschiedlichsten Auslöser haben

Typisch für jede Phobie ist ein Gefühl großer Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation. Dies kann sich besonders auf Reisen als problematisch erweisen, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Bei einer Agoraphobie kommen in bestimmten Orten und Situationen, in denen eine Flucht schwierig wäre (meist in Menschenmengen), Angst- oder Beklemmungsgefühle auf. Auf Reisen können somit etwa Bahnhöfe, Flughäfen, volle Innenstädte oder öffentliche Verkehrsmittel zur Belastung werden.
  • Auch natürliche Umgebungen können Phobien auslösen und damit die Urlaubsplanung stark einschränken. So haben manche Menschen Angst vor Wasser (Hydrophobie), Flugangst (Aviophobie), Höhenangst (Akrophobie) oder Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie).
  • Phobien, deren Auslöser bestimmte Objekte sind, können ebenfalls die Urlaubsfreude trüben. Dazu zählen unter anderem die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) oder anderen Tieren sowie die Angst vor Bakterien und Schmutz (Mysophobie).
  • Menschen mit einer sozialen Phobie haben Angst vor Bewertung: Sie fürchten, in sozialen Situationen im Mittelpunkt zu stehen oder negativ beurteilt zu werden. Auf Reisen sind dadurch etwa Gespräche in fremder Sprache, Restaurantbesuche, Hotelkontakte oder Gruppenreisen oft besonders herausfordernd.

Phobien machen sich körperlich bemerkbar

Eine Phobie führt zu deutlichen körperlichen Angstreaktionen: Die Betroffenen verspüren Herzrasen, Schwindel, Atemnot, bekommen Schweißausbrüche oder beginnen zu zittern. In schweren Fällen erreichen die Symptome die Intensität einer Panikattacke. Außerdem können Erstickungsgefühle auftreten, die mitunter Todesangst auslösen.

In der Folge versuchen Menschen mit Phobien häufig, angstauslösende Situationen zu vermeiden, und schränken sich im Alltag zunehmend ein. Auf Urlaubsreisen verzichten viele Betroffene sogar vollständig, was sie allerdings selbst als einschränkend empfinden.

Langfristig hilft eine Verhaltenstherapie am besten

Von allein gehen Phobien bei Erwachsenen selten weg. Die gute Nachricht lautet jedoch: Angststörungen lassen sich gezielt behandeln. Betroffene sollten daher frühzeitig ärztliche oder psychologische Hilfe in Anspruch nehmen – spätestens dann, wenn sie zentrale Bereiche ihres Alltags aufgrund ihrer Ängste nicht mehr genießen können.

Fachleute raten bei Phobien langfristig zu einer Psychotherapie. Als besonders wirksam hat sich dabei die Expositionstherapie erwiesen: Das ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der sich die Betroffenen behutsam schrittweise ihren Ängsten stellen. So nehmen die ursprünglich bedrohlichen Angstreaktionen nach und nach ab, bis die auslösenden Situationen oder Objekte aushaltbar sind. Im besten Fall lernen die Betroffenen, die Situation irgendwann entspannt zu erleben.

Daneben können – je nach Ausprägung der Phobie – auch niedrigschwellige Ansätze helfen. Manche Betroffene profitieren von digitalen Gesundheitsanwendungen („App auf Rezept“). Diese Programme bieten strukturierte Informationen und Übungen, um mit der Angst umzugehen. Sie können ärztlich verordnet werden; die Kosten übernehmen oft die Krankenkassen. Auch Selbsthilfegruppen oder auf bestimmte Phobien abgestimmte Workshops sind mitunter hilfreich.

Vor Reisen kann auch eine kurzfristige Strategie helfen

Wenn die Reise unmittelbar bevorsteht, können spezielle Techniken kurzfristig helfen, mit der Angst besser umzugehen oder sie zumindest auszuhalten. Ein Beispiel ist das Training gegen Höhenangst, das Christian Zottl bietet: Er ist Bergwanderführer, Höhenangst-Coach und ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Angsthilfe.

In seinen Trainings geht es zunächst darum, Risiken realistisch einzuschätzen: Ist die Situation wirklich gefährlich? Ungesichert über einen schmalen Felsgrat zu wandern, kann tatsächlich riskant sein. Bei einer Brücke oder einem gut gesicherten Wanderweg ist das anders.

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