Internationale Standards für Wetterdaten
Um sicherzustellen, dass Wetterdaten international genutzt werden können, koordiniert die Weltorganisation für Meteorologie in Genf den Datenaustausch zwischen 193 Staaten und definiert gemeinsame Standards.
Diese Daten werden aus vielen verschiedenen Quellen gesammelt: Wetterstationen, Satelliten, Wetterballons, Radar und Bojen. Der DWD betreibt bundesweit 18 meteorologische Radarstationen. Jede Station erfasst Niederschläge in einem Umkreis von 150 Kilometern. Ergänzt werden sie durch mehr als 180 Wetterstationen, die Temperatur, Wind, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag messen.
Um Querschnitte der Atmosphäre zu erhalten, arbeitet der DWD auch mit der Lufthansa German Airlines zusammen. „Die Passagierflugzeugflotte der Lufthansa ist mit Messgeräten ausgestattet. Immer wenn ein Flugzeug startet oder landet, erhalten wir einen Querschnitt der Atmosphäre“, erklärt Weber. Wie sensibel dieses System auf etwaige Datenlücken reagieren kann, zeigt ein während der Covid-19-Pandemie beobachtetes Phänomen: Weil weniger Passagierflugzeuge im Einsatz waren, „wurden die Wettervorhersagen nur etwas ungenauer“, schmunzelt Weber.
Mit künstlicher Intelligenz neue Wege beschreiten
Um die Vorhersage künftig noch schneller zu machen, arbeitet der DWD seit März 2026 mit künstlicher Intelligenz AICON. Das in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern entwickelte System nutzt große Mengen historischer Wetterdaten, um Muster in der Atmosphäre zu erkennen.
Herkömmliche Wettermodelle basieren auf physikalischen Gleichungen: Supercomputer berechnen damit Schritt für Schritt, wie sich Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Windstärke in Millionen von Gitterzellen der Atmosphäre verändern. AICON verfolgt einen anderen Ansatz: „Um das KI-Modell zu trainieren, haben wir historische Wetterdaten aus 15 Jahren genutzt“, erklärt Weber. Aus diesen Daten erfuhr AICON, welche Muster typischerweise zu bestimmten Wetterentwicklungen führen. Anstatt jeden physikalischen Prozess einzeln zu simulieren, identifiziert die künstliche Intelligenz statistische Zusammenhänge, anhand derer sie vorhersagen kann, wie sich die Atmosphäre voraussichtlich entwickeln wird. Dadurch können Prognosen um ein Vielfaches schneller erstellt werden – als physikalische Referenz dienen jedoch weiterhin herkömmliche Modelle.
Trotz all dieser Fortschritte spielt der Mensch immer noch die zentrale Rolle bei der Vorhersage. Die KI erstellt schnelle Vorhersagen, Meteorologen prüfen die Ergebnisse, vergleichen verschiedene Modelle und interpretieren kritische Wetterbedingungen. „In kritischen Situationen bleibt der Ratschlag des Menschen entscheidend“, betont Weber.
KI-Systeme wie AICON läuten eine neue Ära in der Meteorologie ein. Herkömmliche physikalische Modelle und Lernalgorithmen werden künftig parallel arbeiten. Das Ziel ist wie schon seit Jahrzehnten dasselbe: das Wetter genauer, schneller und zuverlässiger vorherzusagen – damit wir Menschen uns rechtzeitig auf das vorbereiten können, was der Himmel als nächstes für uns bereithält.










