Studie zeigt
So sind die Ukrainer auf dem Arbeitsmarkt angekommen
17.02.2026 – 11:40 UhrLesedauer: 3 Min.

Wie haben sich die Ukrainer in den deutschen Arbeitsmarkt integriert? Eine Studie kommt nun zu einem überraschenden Ergebnis.
Rund dreieinhalb Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs ist etwa jeder zweite erwerbsfähige ukrainische Geflüchtete in Deutschland beschäftigt. 50 Prozent der zwischen Februar und August 2022 Eingereisten haben nach 42 Monaten eine abhängige Beschäftigung aufgenommen. Das geht aus einem aktuellen Kurzbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Damit ist die Beschäftigungsquote der Ukrainerinnen und Ukrainer zwar deutlich niedriger als die der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter – die lag im Juni vergangenen Jahres bei rund 68 Prozent. Doch im Vergleich zu früheren Fluchtbewegungen liegt sie deutlich höher: Geflüchtete, die im Laufe des Jahres 2015 in Deutschland ankamen, erreichten eine Beschäftigungsquote von 50 Prozent erst nach rund sechs Jahren.
Die Integration verläuft damit deutlich schneller. Das ist einerseits überraschend: Denn viele der Flüchtlinge sind Frauen mit kleinen Kindern – eine Gruppe, die oft lange von Transferleistungen abhängig ist, weil sie zeitlich weniger flexibel ist.
Andererseits sehen die Forscher des IAB bei den Ukrainern auch günstigere Rahmenbedingungen als bei vorherigen Fluchtbewegungen: Ukrainische Geflüchtete hatten von Beginn an Zugang zum Arbeitsmarkt und wurden seit Juni 2022 in das Bürgergeld und damit auch in die Förderstrukturen der Jobcenter eingebunden. Dadurch konnten sie früh Sprachkurse, Beratungsangebote und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nutzen. „Der frühe und systematische Zugang zu Jobcentern und Förderangeboten beschleunigt den Einstieg in Beschäftigung deutlich“, so IAB-Forscher Philipp Jaschke.
So konnten die Forscher einen deutlichen Unterschied zwischen denen ausmachen, die zwischen Februar und Mai 2022 nach Deutschland kamen, und denen, die ab Juni 2022 kamen und direkt in das Bürgergeldsystem aufgenommen wurden: Letztere fanden deutlich schneller einen Job. Das sei „ein deutlicher Hinweis auf die zentrale Rolle institutioneller Rahmenbedingungen für die Integration“, so Jaschke.
Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer nehmen demnach schneller eine Beschäftigung auf, Frauen arbeiten zudem deutlich häufiger in Teilzeit. Besonders niedrig ist die Beschäftigungsquote bei Müttern kleiner Kinder ohne Partner. Die Jobcenter reagierten darauf teilweise mit Beratungsangeboten, etwa dazu, wie man Kitaplätze findet.
Unterschiede gibt es auch in den Berufen: So arbeiten Männer deutlich häufiger in Fachkraftpositionen, Frauen deutlich häufiger in Helfertätigkeiten. „Die Arbeitsmarktintegration verläuft insgesamt erfolgreich, aber nicht für alle gleichermaßen“, sagte IAB-Forscher Simon Wagner mit Blick auf diese Erkenntnisse.
Insgesamt sind Frauen, vor allem mit kleinen Kindern, in der Gruppe der Flüchtlinge aus der Ukraine deutlich überrepräsentiert. Nach dem Beginn der großflächigen russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 hatte die ukrainische Regierung Männern im wehrfähigen Alter die Ausreise untersagt und das Verbot erst im Sommer 2025 wieder gelockert.