Fußball-WM 1994

Wie aus Berti Vogts der meistgehasste Mann Deutschlands wurde


10.06.2026 – 16:21 UhrLesedauer: 3 Min.

Berti Vogts (Archivbild): Der Bundestrainer stand im Zentrum eines Turniers, das zum Albtraum wurde. (Quelle: Peter Schatz via www.imago-images.de)

Eine neue ARD-Doku blickt auf das deutsche WM-Debakel von 1994 zurück – und rückt den damals geschmähten Bundestrainer in ein neues Licht.

Kaum eine Fußball-WM ist so negativ in Erinnerung geblieben wie das Turnier von 1994. Deutschland reiste als amtierender Weltmeister in die USA und schied im Viertelfinale gegen Außenseiter Bulgarien aus. Mittendrin: ein Bundestrainer, der von Spielern, Medien und Öffentlichkeit gleichzeitig demontiert wurde.

Die ARD-Dokuserie „WM 1994: Elf Helden – ein Albtraum“, seit dem 2. Juni in der Mediathek, erzählt diese Wochen noch einmal nach.

Eine Mannschaft, drei Lager

Auf dem Papier war der Kader übermächtig: zwölf Weltmeister von 1990, dazu neue Größen wie Matthias Sammer, Stefan Effenberg und Mario Basler. Auf dem Platz aber wirkte die Elf wie eine Ansammlung von Einzelkämpfern. Verteidiger Thomas Strunz beschrieb das Team rückblickend als „Einzelunternehmer“, nicht als Mannschaft. Basler nannte das Selbstbild von den „elf Freunden“ schlicht eine Lüge.

Lothar Matthäus und Berti Vogts bei der WM 1994 in den USA. (Quelle: Laci Perenyi/imago-images-bilder)

Die Gründe lagen tief: Die Weltmeister von 1990 gaben den Ton an, dazu kamen ehrgeizige West-Profis und Spieler aus dem Osten, die sich im wiedervereinigten deutschen Team erst integrieren mussten. Vogts, der auf Zusammenhalt und Respekt setzte, bekam die Gruppe nie zu einer Einheit geformt.

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Der Stinkefinger und seine Folgen

Zum Symbol des Turniers wurde Stefan Effenbergs Geste: Beim Spiel gegen Südkorea zeigte er den eigenen Fans den Mittelfinger. Vogts und DFB-Präsident Egidius Braun schickten ihn daraufhin nach Hause. Effenberg habe sich geweigert, sich zu entschuldigen, heißt es. Also trennte man sich. Eine Entscheidung, die Vogts intern weiter isolierte.

Stefan Effenberg bei der WM 1994 (Archivbild): Der Mittelfeldspieler zeigte den deutschen Fans den Mittelfinger. (Quelle: WEREK/imago-images-bilder)

Beckenbauers Spott und der Raab-Song

Den größten Druck aber erzeugte das Umfeld. Vogts verweigerte der „Bild“-Zeitung die Sonderbehandlung, die sein Vorgänger Franz Beckenbauer gepflegt hatte, und wurde dafür abgestraft. Beckenbauer filetierte ihn aus dem Premiere-Studio neben dem Mannschaftshotel öffentlich.

Franz Beckenbauer (Archivbild): Vogts musste in große Fußstapfen treten – und der „Kaiser“ machte es ihm nicht leicht. (Quelle: imago)
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