Was bleibt von 500.000 Euro übrig?
So müssen die DFB-Stars ihre WM-Prämien versteuern
28.06.2026 – 11:21 UhrLesedauer: 3 Min.

Je nach WM-Spielort kassieren die Steuerbehörden unterschiedlich viel mit. Wo es besonders teuer ist und welche Einnahmen die DFB-Elf versteuern muss.
Wer bei der Fußball-WM für Deutschland aufläuft, spielt nicht nur um den Titel und hohe Prämien. Je nachdem, in welchem Stadion die Partien stattfinden, kann er auch den Fiskus kräftig unterstützen. Denn die Prämien und Werbeeinnahmen der Nationalspieler werden nicht ausschließlich in Deutschland versteuert – auch die USA greifen zu.
„Das amerikanische Steuerrecht behandelt internationale Sportler wie Gastarbeiter“, sagt Stefan Heine, Geschäftsführer der Smartsteuer GmbH, t-online. „Wer in den USA auf dem Rasen Geld verdient, zahlt dort Steuern.“ Warum das so ist und wie viel die deutschen Nationalspieler abdrücken müssen, haben wir im Folgenden zusammengefasst.
Warum die USA überhaupt Steuern verlangen dürfen
Obwohl die DFB-Stars ihren Wohnsitz meist in Deutschland haben und grundsätzlich dort steuerpflichtig sind, gelten ihre WM-Einsätze in den USA als dort ausgeübte berufliche Tätigkeit. Deshalb dürfen die amerikanischen Steuerbehörden einen Teil der Einkünfte besteuern.
Dabei bleibt es nicht bei einer einzigen Steuer. Zunächst fällt eine US-Bundessteuer an. Hinzu kommt – je nach Austragungsort – eine Einkommensteuer des jeweiligen Bundesstaates. Wie hoch diese ausfällt, hängt davon ab, wo gespielt wird.
In diesen Stadien bleibt mehr Geld übrig
Für die DFB-Elf macht das einen deutlichen Unterschied. Das Trainingslager findet in North Carolina statt. Dort beträgt die Einkommensteuer des Bundesstaates 3,99 Prozent. Das erste Gruppenspiel in Houston gegen Curaçao war steuerlich ein Schnäppchen, denn Texas erhebt überhaupt keine Einkommensteuer.
Anders sah es beim dritten Gruppenspiel gegen Ecuador in East Rutherford aus. Dort, in New Jersey, werden zusätzlich bis zu 10,75 Prozent Einkommensteuer fällig. Beim Sechzehntelfinale am 29. Juni kommen die Spieler wieder günstiger weg: In Boston, Massachusetts, werden nur fünf Prozent Einkommensteuer fällig.
Besonders teuer wäre ein Spiel in Kalifornien. In den WM-Stadien von Los Angeles oder Santa Clara können bis zu 13,3 Prozent Einkommensteuer des Bundesstaates anfallen.
Kanada, wo die DFB-Elf in Toronto gegen die Elfenbeinküste antrat, behält zunächst pauschal 15 Prozent von der Bruttozahlung als Vorauszahlung ein. „Die tatsächliche Steuer wird dann über die Steuererklärung ermittelt“, so Heine. Die Einkommensteuer ist wie in Deutschland progressiv und kann bis zu 33 Prozent erreichen. Hinzu kommt die Provinzsteuer des jeweiligen Spielortes. „Mexiko macht es kurz und schmerzhaft: 25 Prozent pauschal vom Brutto.“
Müssen die Spieler doppelt Steuern zahlen?
„Faktisch ja, rechnerisch im Idealfall nein“, sagt Steuerexperte Heine. Zunächst wird in den USA, Kanada und Mexiko eine sogenannte Quellensteuer einbehalten. Anschließend müssen die Spieler dort eine Steuererklärung abgeben. Danach verlangt Deutschland zwar Steuern auf die gesamte Prämie, rechnet aber die ausländischen Steuern auf die deutsche Einkommensteuer an.
Trotzdem kann die Gesamtbelastung höher sein, als wenn die Einnahmen komplett in Deutschland angefallen wären. „Wenn die US-Belastung höher ist als die deutsche, gilt dieser Satz. Der Spieler zahlt dann effektiv mehr, als wenn er die Prämie nur in Deutschland versteuert hätte“, sagt Heine.