„In Deutschlands Kitas zeigen sich gravierende Unterschiede zwischen Ost und West“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doreen Siebernik, auf Anfrage. „Während im Westen Fachkräfte fehlen, ist die Lage im Osten angespannt – erste Gruppenschließungen und Kita-Schließungen führen zu Entlassungen und Einkommensverlusten.“
„Der starke Rückgang im Osten war zu erwarten, da seit dem Jahr 2016 die Kinderzahlen regelrecht eingebrochen sind und wir gleichzeitig bereits seit längerem eine gut ausgebaute Betreuungsinfrastruktur hatten“, sagt Wido Geis-Thöne vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Im Westen ist die Lage anders. Hier hatten wir im Jahr 2021 erst den Höchstwert bei den Kinderzahlen erreicht, sodass der Rückgang später eingesetzt hat.“
Allerdings gebe es in Westdeutschland noch große Lücken zwischen der eigentlich von den Eltern gewünschten und tatsächlich realisierten Betreuung unter Dreijähriger, heißt es in einer im Frühjahr veröffentlichen IW-Analyse von Geis-Thöne. Die Elternwünsche nähmen außerdem noch weiter zu.
Wegen Abwanderungsbewegungen in ländliche Gebiete mit „familiengerechtem
Wohnraum“ sieht die Studie im Westen am ehesten in den Großstädten ein Ende der bisherigen Kitaplatz-Krise. In den östlichen Bundesländern sei ein Rückbau der Kapazitäten in den Kitas dagegen nahezu unumgänglich.
Die GEW sieht in den sinkenden Kinderzahlen eine große Chance, längst überfällige Qualitätsverbesserungen endlich umzusetzen. „Jetzt braucht es ein bundesweites Kita-Qualitätsgesetz, das gute Bedingungen für Kinder, Familien und Fachkräfte schafft“, sagte GEW-Vorstand Siebernik. Auch die IW-Studie plädiert dafür, Personal nicht abzubauen, sondern für eine bessere Betreuungsrelation einzusetzen – also weniger Kinder pro Erzieher oder Erzieherin.









