Sonst droht Muskelverlust
Wer mit Medikamenten abnimmt, sollte diesen Fehler vermeiden
19.06.2026 – 06:37 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine Studie zeigt: Menschen, die mit GLP-1-Medikamenten abnehmen, gestalten ihren Alltag danach teilweise ungesünder – zumindest in einer Hinsicht.
Körperliche Aktivitäten fallen leichter, wenn weniger Gewicht auf Muskeln und Gelenken lastet. Bewegen sich übergewichtige Menschen also mehr, wenn sie schlanker werden? Dieser Frage ist ein Forschungsteam des HSHS Saint John’s Hospital im US-Bundesstaat Illinois nachgegangen. Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass Abnehmen keineswegs automatisch zu einem aktiveren Lebensstil führt. Jedenfalls nicht, wenn Medikamente den Gewichtsverlust herbeigeführt haben.
Daten von über 700 Teilnehmern ausgewertet
Die Studie basiert auf dem US-amerikanischen Forschungsprogramm „All of Us“. Darin werden elektronische Gesundheitsakten mit den Aufzeichnungen von Fitbit-Aktivitätstrackern verknüpft.
Für ihre Analyse nutzten die Forscher die Informationen von 1.950 Erwachsenen mit Adipositas, die erstmals ein GLP-1-Medikament erhielten. Bei 753 von ihnen lagen ausreichend Aufzeichnungen aus der Zeit vor und nach Beginn der Behandlung vor.
Die Wissenschaftler untersuchten, wie viele Schritte die Teilnehmer täglich gingen und wie viel Zeit sie mit zügiger Bewegung oder Sport verbrachten.
Das Ergebnis: Nach Beginn der Behandlung sank die durchschnittliche tägliche Schrittzahl von 5.047 auf 4.487 Schritte. Das entspricht einem Rückgang um rund 560 Schritte pro Tag. Besonders deutlich war der Rückgang bei Männern. Sie gingen nach Beginn der Therapie im Durchschnitt fast 1.000 Schritte weniger pro Tag. Bei Frauen waren es rund 450 Schritte.
Auch die Zeit, die die Teilnehmer mit zügigem Gehen, Sport oder anderen körperlich anstrengenderen Aktivitäten verbrachten, nahm ab. Sie verringerte sich von durchschnittlich 27,9 auf 22,2 Minuten täglich.
Hinweis
Die Aussagekraft der Studie ist begrenzt. Sie basiert auf einer rückblickenden Auswertung von Gesundheitsdaten. Zudem wurden nur Teilnehmer berücksichtigt, für die genügend Bewegungsaufzeichnungen vorlagen. Ob die Ergebnisse deshalb auf alle Menschen mit Adipositas übertragbar sind, ist unklar. Hinzu kommt, dass die Daten bislang nur auf einem wissenschaftlichen Kongress vorgestellt und noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden.
Schon etwas weniger Bewegung kann problematisch sein
Diese Veränderungen mögen klein erscheinen, doch sie können durchaus einen Unterschied machen. Zum Hintergrund: Eine kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass bereits fünf Minuten mehr moderate bis intensive Bewegung pro Tag einen messbaren Einfluss auf die Sterblichkeit haben könnten. Bei den am wenigsten aktiven Menschen ließen sich dadurch rechnerisch bis zu sechs Prozent aller Todesfälle verhindern, in einer breiteren Bevölkerungsgruppe sogar bis zu zehn Prozent.
Für Menschen, die abnehmen, ist Bewegung auch aus einem anderen Grund wichtig: Ohne ausreichend körperliche Aktivität verlieren sie nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse. Bei einer Behandlung mit GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid oder Tirzepatid fällt dieser Muskelverlust häufig stärker aus als bei einer Gewichtsabnahme ohne Medikamente.
Fachleute empfehlen deshalb, sich regelmäßig zu bewegen und Krafttraining in den Alltag einzubauen. Letzteres hilft, Muskelmasse und Kraft möglichst gut zu erhalten.
Warum bewegen sich Betroffene weniger?
Warum die körperliche Aktivität nach Beginn der Behandlung zurückging, kann die Studie nicht beantworten. Die Forscher untersuchten lediglich, wie sich das Bewegungsverhalten veränderte – nicht aber, warum.











