Zustand der Bundeswehr
Wehrbeauftragter: Strukturen der Bundeswehr „nicht effektiv“
Aktualisiert am 03.03.2026 – 17:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Wie weit ist die Bundeswehr auf dem Weg zur Kriegstüchtigkeit vorangekommen? Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten blickt hinter die Kulissen der Truppe.
Militärbürokratie und „Kopflastigkeit“: Der Wehrbeauftragte Henning Otte fordert eine Entschlackung lähmender Verwaltungsvorgänge in der Bundeswehr. „Die aktuellen Strukturen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums sind zu kopflastig, zu kompliziert und in großen Teilen nicht effektiv“, schreibt der CDU-Politiker in seinem Jahresbericht.
Otte bemängelt zudem die Personalstruktur und warnt vor Folgen für die Einsatztauglichkeit. Dabei nimmt er den geringen Anteil von Mannschaftssoldaten in der Truppe in den Blick, der bei 29,3 Prozent liege.
„Innerhalb der aktuellen Personalstruktur der Bundeswehr kommt somit im Verhältnis gerechnet auf einen Mannschaftssoldaten fast ein Offizier. Ob mit einer solchen Kopflastigkeit die Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung der Truppe wirklich nachhaltig bewältigt werden können, ist fraglich“, schreibt Otte. In der Bundeswehr gibt es demnach 21,6 Prozent Offiziere und 49,1 Prozent Unteroffiziere.
Der Wehrbeauftragte wird auf fünf Jahre vom Bundestag gewählt. Er gilt als Anwalt der Soldaten und soll den Bundestag bei der Ausübung der parlamentarischen Kontrolle der Streitkräfte unterstützen.
Personal und Aufwuchs bleiben nach Ottes Bewertung die zentralen Herausforderungen. „Ohne eine konsequente und nachhaltige Personalstrategie droht eine Diskrepanz zwischen politischen Ambitionen und militärischer Realität“, warnt Otte.
Zum Jahresende 2025 habe sich die Personalstärke gegenüber dem Vorjahr um rund 3.000 Soldaten deutlich erhöht (2024: 181.174). Es sei das einstellungsstärkste Jahr seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 gewesen.
„Sollte das derzeitige Modell der Freiwilligkeit tatsächlich nicht genügend Aufwuchs bringen, ist die Rückkehr zu einer Wehrpflicht der konsequente nächste Schritt“, schreibt Otte. Bereits jetzt müsse die Bundeswehr eine ausreichende Anzahl an Ausbildern sowie Infrastruktur für die absehbar steigende Anzahl an Rekruten sicherstellen.
Sollte sich die Einführung einer Bedarfswehrpflicht als notwendig erweisen, müsse die Bundesregierung auch einen Ersatzdienst anbieten. Otte schreibt: „Damit wäre noch einmal die Gelegenheit verbunden, ein modernes Pflichtdienstmodell zu schaffen und dadurch den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zu fördern sowie die Gesamtverteidigungsfähigkeit dauerhaft auszubauen und langfristig zu stärken.“
Trotz Bemühungen um mehr Frauen in der Truppe sei der Anteil an Soldatinnen im Berichtsjahr nur minimal auf 13,71 Prozent (2024: 13,62 Prozent) gestiegen. Er blieb weit hinter den im Gleichstellungsgesetz geforderten 20 Prozent – außerhalb des Sanitätsdienstes – zurück. Auch die vorgegebenen 50 Prozent in der Sanität seien noch immer nicht erreicht.
„Dauerhaft werden die Bemühungen um mehr Frauen in den Kampfverbänden allerdings nur Erfolg haben, wenn die Bundeswehr jeglicher Form von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts entschieden entgegentritt“, schreibt Otte. Und: „Denn noch immer beanstanden speziell Soldatinnen sexistisches Verhalten oder diskriminierende Äußerungen im Dienstalltag.“
„Besonders beispielhaft für eine Bürokratiewucht sind die Formular- und Papierfluten in der Reserve“, heißt es in dem Bericht. Es gebe einen Wust von immer gleichen Formularen, Anträgen und Gesetzesvorgaben zu Freistellung, Lohnersatzansprüchen, sozialversicherungsrechtlichen Meldungen, Befreiungsanträgen, Abrechnungsanpassungen sowie Einverständniserklärungen. „Darüber hinaus teilt der Wehrbeauftragte den Eindruck zahlreicher Betroffener, dass die Bürokratie nicht abnehme, sondern weiter zunehme.“










