Dokumentation über Weltmeister
Das Rätsel Mesut Özil: „Keiner kennt ihn“
13.03.2026 – 13:25 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Weltmeister von 2014 war einer der letzten großen Zehner in Deutschland. Fans erinnern sich aber auch an den Wirbel um sein Erdoğan-Foto.
Senkrechtstarter, Magier, Weltmeister – und gefallener Held: Mesut Özil zählte jahrelang zu den besten deutschen Fußballern, neben seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten erinnern sich die Fans aber auch an den großen Krach rund um seinen Abschied aus der Nationalmannschaft.
Ab dem 20. März zeigt das ZDF dreiteilige Dokumentation „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“. Der Film von Grimme-Preisträger Florian Opitz zeichnet nach, wie Özil vom gefeierten Weltmeister zum Erdoğan-Vertrauten wurde und dabei den Kontakt zu Deutschland weitgehend abbrach.
Özil selbst, schreiben die Macher, „war nicht dazu bereit“, mit ihnen zu reden. Dafür kommen mehrere Wegbegleiter zu Wort. Hamit Altıntop, der mit Özil bei Schalke 04 und Real Madrid zusammen gespielt hat, sagt etwa direkt zu Beginn der Doku über den Menschen Mesut Özil: „Keiner kennt ihn.“
Und doch errege seine Geschichte „die Gemüter der Deutschen“, wie Macher Opitz sagte, immer noch „extrem“. In der Doku geht es weniger um die Karriere eines Fußballstars, sondern um Erzählungen über Integration und Rassismus in der Bundesrepublik. Özils Geschichte sage dabei „mindestens so viel über die deutsche Gesellschaft und ihren Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund“ wie über Mesut Özil selbst.
Die Geschichte beginnt in Gelsenkirchen. In der Stadt, die Özil in einem Interview von 2017, das erstmals im TV zu sehen ist, „meine Heimat“ nennt. Mit der Liebe zu ihr begründet er seine Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft. Gegen jene der Türkei, dem Land seiner Großeltern – was Teile der Familie als „Verrat“ auffassen, wie Vater Mustafa berichtet. Und alles endet mit Özils Bruch mit der DFB-Elf, mit Deutschland – und seiner Hinwendung zu Recep Tayyip Erdoğan.
Den Wendepunkt markiert ein Foto aus dem Mai 2018: Özil posiert mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdoğan. Die Aufnahme entsteht zu einer Zeit, so zeigt es die Doku, als sich die Stimmung im Land wandelt. Von der Integrations-Euphorie, die Özil einen Bambi einbrachte, und der Willkommenskultur von 2015 hin zu Pegida-Märschen und AfD-Hochs. Özil spürt, dass er noch immer als „Deutsch-Türke“ wahrgenommen wird, nicht als vollwertiger Deutscher. Und er versteht nicht, dass das Foto ein Fehler war.
