Der außergewöhnliche Stoffwechsel einer Python kann neue Wege zu einer gesunden Gewichtsabnahme eröffnen und sogar altersbedingten Muskelschwund bekämpfen.
In weniger als einem Jahrzehnt haben neue Medikamente zur Gewichtsreduktion den Markt verändert und Millionen Menschen geholfen, verursachen aber häufig Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden. Was wäre, wenn eine ähnliche Appetitkontrolle ohne diese Nachteile erreicht werden könnte?
Wissenschaftler in den USA haben im Blut von Pythons ein bisher unbekanntes Molekül identifiziert, das dem Gehirn signalisiert, wenn wir genug gegessen haben.
Diese bis zu sieben Meter langen, schnürenden Schlangen können sehr große Mahlzeiten auf einmal fressen, zum Beispiel eine ganze Antilope, und dann monate- oder sogar jahrelang ohne Nahrungsaufnahme auskommen. Bei der Forschung geht es nicht darum, die Ernährung der Schlangen nachzuahmen; Es geht um die Tatsache, dass Pythons fasten und schlemmen können, ohne ihr Herz oder ihre Muskeln langfristig zu schädigen, was das Interesse der Forscher geweckt hat.
Ist pTOS das neue GLP-1?
Das Molekül namens Para-Tyramin-O-Sulfat (pTOS) wurde von Professor Leslie Leinwand und ihrem Team an der University of Colorado Boulder entdeckt, als sie das Verdauungssystem dieser ungiftigen Schlangen aus Afrika, Asien und Australien untersuchten. Die Ergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit Forschern von Stanford Medicine und der Baylor University in Nature Metabolism veröffentlicht.
Die Forscher beobachteten, dass sich das Herz eines Pythons unmittelbar nach dem Essen um 25 Prozent ausdehnt und sein Stoffwechsel um das 4.000-fache beschleunigt wird, um die Verdauung der Mahlzeit zu unterstützen, begleitet von einem dramatischen Anstieg des pTOS im Blut (über das 1.000-fache). Beim Menschen steigt pTOS auch nach den Mahlzeiten an, wenn auch in bescheidenerem Umfang, etwa um das Zwei- bis Fünffache.
Der Anstieg des pTOS ist Teil des Verdauungsprozesses: Der Körper verwendet eine Aminosäure namens Tyrosin, die Darmbakterien in eine Verbindung namens Tyramin umwandeln. Die Leber wandelt dann Tyramin in pTOS um, das zum Gehirn gelangt, ein Sättigungsgefühl signalisiert und so den Appetit zügelt.
Das Molekül blieb in Laboren unbemerkt, da gewöhnliche Forschungstiere wie Mäuse und Ratten es nach dem Essen nicht auf natürliche Weise produzieren.
GLP-1, das Hormon, auf das Medikamente wie Ozempic und Wegovy abzielen, hilft dem Körper, sich satt zu fühlen, indem es die Verdauung verlangsamt und den Blutzucker reguliert. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Verdauungsbeschwerden und manchmal Erbrechen.
Gewichtsverlust ohne Stoffwechselschäden bei Mäusen
In Tierversuchen fraßen Mäuse, denen pTOS verabreicht wurde, weniger, und eine Langzeitbehandlung führte zu einem geringeren Körpergewicht und einer verringerten Nahrungsaufnahme. Diese Effekte traten ohne größere Veränderungen der Bewegung, des Energieverbrauchs oder des Blutzuckers auf, was darauf hindeutet, dass pTOS für die Adipositasforschung vielversprechend sein könnte.
Diese Entdeckung enthüllt einen neuen biologischen Mechanismus, der dem Körper hilft, sich nach dem Essen satt zu fühlen. Dies könnte zu zukünftigen Behandlungen führen, die den Hunger auf natürliche Weise reduzieren und das Gewichtsmanagement unterstützen. Es unterstreicht aber auch die wichtige Rolle der Darmbakterien bei der Gestaltung des Stoffwechsels und der Übermittlung von Signalen an das Gehirn. Bisher wurde pTOS nur an Mäusen getestet und seine Auswirkungen auf den Menschen wurden noch nicht untersucht. Bei Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes kann die appetitzügelnde Wirkung ebenfalls verringert sein oder ganz fehlen, was darauf hindeutet, dass das natürliche „Sättigungssignal“ des Körpers bei diesen Erkrankungen möglicherweise nicht so effektiv funktioniert.










