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Barrel: Das schrägste Maß der Welt
20.03.2026Lesedauer: 2 Min.
Es ist die mächtigste Maßeinheit der Welt – und doch völlig krumm. Warum hält die Weltwirtschaft bis heute an einem kuriosen Maß fest, das aus der Zeit findiger Pioniere, harter Winter und holpriger Pferdewagen stammt?
Wer verstehen will, warum das digitale Zeitalter noch immer mit einem Maß aus der Ära der Postkutschen rechnet, muss zum ersten US-Ölboom in Pennsylvania zurückkehren. Als 1859 die kommerzielle Förderung begann, standen die Pioniere vor einem banalen Problem: Es gab schlicht keine Gefäße für ihr schwarzes Gold.
In der Not griffen die Männer zu dem, was auf den Höfen und in den Lagern stand: ausgediente Holzfässer für Heringe, Bier oder Melasse. Das Chaos aus unterschiedlichsten Größen machte den Handel jedoch mühsam und unfair. 1866 einigten sich die Produzenten im Städtchen Titusville (heute rund 5.000 Einwohner) deshalb auf einen verbindlichen Standard: 42 US-Gallonen. Umgerechnet sind das exakt 158,987 Liter – also jene rund 159 Liter, die wir heute als ein Barrel kennen.
Das Maß orientierte sich an den damals gängigen, mittelgroßen Transportfässern, die sich mit Pferdewagen noch gut bewegen ließen. 1872 machte ein Zusammenschluss unabhängiger Ölproduzenten, die Association of Petroleum Producers, diese 42 Gallonen schließlich zum offiziellen Standard. Das Öl-Barrel war geboren.
Doch warum gerade 42 und nicht eine glatte 40? Die gängigen Fässer jener Zeit wurden bis zum Rand mit 42 Gallonen gefüllt, doch die Händler berechneten offiziell nur 40 Gallonen. Diese zusätzlichen zwei Gallonen waren ein großzügiges Versprechen an die Käufer: Sie dienten als Puffer für Lecks und Verdunstung auf den staubigen Wegen der Pferdewagen. Wer ein Barrel bezahlte, sollte am Zielort trotz des unvermeidlichen Schwunds garantiert die vollen 40 Gallonen erhalten. Später wurde dann die Bruttomenge von 42 Gallonen zum festen Standardmaß – dem heutigen Barrel.











