Senat nennt wahre Ursachen

Verschwundene Azubis aus Vietnam: Was wirklich dahinter steckt

17.07.2026 – 18:04 UhrLesedauer: 2 Min.

Azubis (Symbolbild): Vietnamesische Auszubildende werden angeworben, scheitern aber oft an fehlenden Sprachkenntnissen oder anderen Problemen. (Quelle: Bernd Weissbrod/dpa/dpa-bilder)

Rund ein Drittel der vietnamesischen Berufsschüler an einer Berliner Schule ist verschwunden. Kriminalität steckt laut Senat nicht dahinter – die Gründe liegen woanders.

Der Berliner Senat hat Hinweise auf Menschenhandel oder andere Straftaten im Zusammenhang mit dem Verschwinden vietnamesischer Auszubildender aus Berliner Berufsschulen ausgeschlossen. Als Ursachen nennt der Senat irreführende Anwerbung im Heimatland sowie fehlende Deutschkenntnisse der Auszubildenden. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken hervor, über die der „Tagesspiegel“ berichtet hat.

Das Fernbleiben von den Berufsschulen führt der Senat auf individuelle Umstände zurück: fehlende Visa, Eheschließungen, Umzüge oder ein Wechsel des Ausbildungsplatzes.

Bekannt geworden war das Problem im Oktober 2025. Damals wurde öffentlich, dass an der Brillat-Savarin-Schule in Berlin-Weißensee, einer Berufsschule mit mehreren Tausend Schülern, rund ein Drittel der etwa 700 vietnamesischen Schülerinnen und Schüler nicht mehr erschien. Obwohl die Jugendlichen in Vietnam ein Sprachzertifikat vorweisen müssen, sprachen viele kaum Deutsch. Lehrer waren überfordert, der Schulbetrieb kaum aufrechtzuerhalten. Ähnliche Entwicklungen soll es auch in Brandenburg und anderen Bundesländern geben.

Tausende Vietnamesen werden ausgebildet

Laut Bundesagentur für Arbeit absolvieren derzeit rund 16.000 Vietnamesen eine Ausbildung in Deutschland, die Zahl steigt. In Vietnam läuft die Anwerbung über private Vermittlungsagenturen, die für Verträge, Sprachnachweise und Visa hohe Summen verlangen. Viele junge Vietnamesen verschulden sich dabei und geraten in extreme Abhängigkeiten, sagt Migrationsexpertin Mimi Vu. Die Gewerkschaft NGG wirft vielen dieser Agenturen vor, wie Schlepperorganisationen zu agieren.

Der Berliner Senat stellt fest, dass die Anwerbestrategien zunehmend in soziale Medien verlagert werden. „Auch der Einsatz von KI stellt ein weiteres Risiko in der Verbreitung irreführender Informationen dar“, heißt es in der Senatsantwort. Diese „ausschließlich privatwirtschaftlichen Werbepraktiken von Agenturen im Ausland“ könne Berlin jedoch nicht kontrollieren. Der Senat verweist auf bestehende Hilfs- und Unterstützungsangebote in der Stadt und fordert klarere Regelungen der Zuständigkeiten im Bereich der Fachkräfteeinwanderung.

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