Chinesische Forschung

Fast unsichtbar: Warum Forscher einen extrem schwarzen Autolack entwickeln


29.06.2026 – 17:24 UhrLesedauer: 2 Min.

Formlos: BMW zeigte 2019 einen X6 in einem extrem dunklen Schwarzton. (Quelle: BMW)

Ein extrem schwarzer Autolack sorgt für Aufsehen. Warum die Entwicklung mehr ist als ein Farbeffekt und wo sie künftig eingesetzt werden könnte.

Bereits 2019 zeigte BMW eine Sonderversion des SUVs X6, dessen Karosserie mit dem Material Vantablack (steht für „Vertically Aligned Nano Tube Array“, auf Deutsch „senkrecht angeordnetes Nanoröhrenraster“) beschichtet war. Das Auto wirkte nahezu konturlos, weil die Oberfläche fast das gesamte einfallende Licht absorbierte. Für den Alltag eignete sich die Beschichtung allerdings nicht: Sie galt als empfindlich und aufwendig in der Herstellung. Nun haben Forscher in China einen neuen Lack entwickelt, der einen ähnlichen Effekt erzielt – sich aber deutlich besser für industrielle Lackierverfahren eignen soll.

Die Beschichtung absorbiert nach Angaben der Entwickler rund 99,9 Prozent des sichtbaren Lichts. Fahrzeuge erscheinen dadurch fast wie schwarze Silhouetten, weil Konturen und Rundungen kaum noch zu erkennen sind. Möglich wird das durch eine Kombination aus nanoskaligen Rußpigmenten und Kohlenstoffnanoröhren. Sie streut einfallendes Licht mehrfach und absorbiert es nahezu vollständig.

Einfacher zu verarbeiten

Der eigentliche Fortschritt liegt jedoch weniger in der optischen Wirkung als in der Verarbeitung. Die Forscher integrierten den Materialverbund in einen Lackbinder und trugen ihn im Spritzverfahren auf ein Fahrzeugmodell auf. Ziel der Entwicklung sei es, die Technologie in bestehende industrielle Lackierprozesse zu integrieren. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Matter & Light“.

Dass der Lack nicht nur im Labor funktioniert, sollen erste Belastungstests zeigen. Die Beschichtung überstand unter anderem Tests mit hoher Luftfeuchtigkeit sowie längerem Wasserkontakt, ohne ihre optischen Eigenschaften wesentlich zu verlieren. Weitere Untersuchungen zur UV-Beständigkeit, Kratzfestigkeit, Steinschlagresistenz und zum Korrosionsschutz stehen allerdings noch aus. Ob sich der Lack für den dauerhaften Einsatz an Serienfahrzeugen eignet, ist daher offen.

Wichtiges Kaufargument

Aber warum das Ganze? Nach Angaben der Entwickler wächst insbesondere in China die Nachfrage nach besonders tiefschwarzen Fahrzeuglackierungen. Studienautor Zhiwei Liu verweist darauf, dass die Fahrzeugfarbe dort zu einem wichtigen Kaufargument geworden sei. Deshalb suche die Branche nach Verfahren, die besonders dunkle Lackierungen industriell herstellen können. In Deutschland hingegen dürfte es bei der Zulassung Probleme geben: Das Fahrzeug wird quasi unsichtbar; dies könnte als Risiko gesehen werden. Auch andere Lackierungen sind am Auto streng verboten.

Ob der neue Lack tatsächlich auf Serienfahrzeugen landet, hängt nun von mehreren Faktoren ab. Neben weiteren Praxistests müssen die Entwickler nachweisen, dass sich die Beschichtung wirtschaftlich in großen Stückzahlen produzieren lässt. Erst dann könnte aus dem spektakulären Farbeffekt mehr werden als eine technische Machbarkeitsstudie.

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