Gut zwei Fünftel der indischen Direktinvestitionen in Deutschland werden im Digitalisierungsbereich getätigt. Große IT-Dienstleister wie Wipro und TCS, eine Tochtergesellschaft der Tata Group, haben seit vielen Jahren Niederlassungen in Deutschland und sind Partner deutscher Unternehmen im digitalen Wandel. An zweiter Stelle steht der Bereich Elektronik und Automatisierung. Wie Seema Bhardwaj erklärt, „wird es für indische Unternehmen immer wichtiger, gemeinsam mit deutschen Partnern Forschung und Entwicklung zu betreiben“. Erneuerbare Energien seien ein weiterer Bereich mit großem Potenzial, fügt sie hinzu. So investierte Reliance New Energy Solar Limited (RNESL), eine Tochtergesellschaft des größten indischen Konzerns Reliance Industries, im Jahr 2021 rund 25 Millionen Euro in die Freiburger NexWafe GmbH. Ziel ist es, gemeinsam hocheffiziente grüne Solarwafer im industriellen Maßstab zu entwickeln – ultradünne Wafer aus kristallinem Silizium, die die Basis für Photovoltaikzellen bilden.
BorderPlus ist in einem ganz anderen Bereich aktiv: Der Personaldienstleister und E-Learning-Anbieter zahlte im Jahr 2025 fast zehn Millionen Euro, um ein Düsseldorfer Unternehmen zu übernehmen. Durch die Ausbildung und Vermittlung indischer Fachkräfte nach Deutschland trägt BorderPlus dazu bei, den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zu lindern.
„Made in Germany“ ist in Indien ein hochgeschätztes Qualitätsmerkmal
Deutschland sei für indische Investoren aus mehreren Gründen sehr attraktiv, sagt Seema Bhardwaj: „Deutschland bietet Zugang zu einem großen Markt und herausragende Technologie, auch das Label ‚Made in Germany‘ ist in Indien ein hoch angesehenes Qualitätsmerkmal.“ Ein weiterer Faktor sei die zentrale Lage Deutschlands in Europa, fügt sie hinzu. „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen US-Handelspolitik spielen auch die Stabilität und Verlässlichkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland eine sehr wichtige Rolle.“
Von der Wirtschaftskraft her sind beide Länder in etwa gleichauf, allerdings entwickelt sich die indische Wirtschaft weitaus dynamischer: Sie wuchs im Jahr 2025 um 6,5 bis 7 Prozent. Allein dadurch ist es so gut wie sicher, dass die indischen Investitionen in Deutschland weiter steigen werden. Dabei dürfte auch das neue Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU eine wichtige Rolle spielen. Je mehr sich deutsche Firmen in Indien engagieren, desto attraktiver werde Deutschland als Innovationsstandort und Zugangspunkt zum europäischen Markt, sagt Seema Bhardwaj: „Wir sehen ein wachsendes Interesse nicht nur bei indischen Großkonzernen, sondern auch bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die die Hauptzielgruppe unserer Beratungsleistungen sind. In vielen Branchen tut sich derzeit viel.“
