Die Verlängerung Hemmingen war aber ein Lehrstück bezüglich Bauverzögerungen. Warum sollte es bei neuen Projekten anders laufen?
Ganz ausschließen lässt sich das nicht. Die Verfahren sind komplexer, Baufirmen rar. Aber wir haben leistungsfähige Strukturen mit Infra und TransTec Bau. Eine Anbindung an die Medizinische Hochschule Hannover ließe sich in unter zehn Jahren realisieren, der D-Tunnel in etwa 15. Das ist realistisch – wenn alle mitziehen.
„Wenn alle mitziehen“ – heißt: bisher tun sie es nicht?
Doch. Die Förderkulisse steht, der Bund würde 75 Prozent, das Land 10 Prozent zahlen. Aber es braucht bei allen Projekten natürlich die politischen Mehrheiten und das Personal. Denn ohne Planer und ausführende Firmen bleiben Projekte Papier.
Sie galten lange als Tunnel-Skeptiker. Jetzt verteidigen Sie das Projekt D-Tunnel vehement. Was hat Sie bekehrt – oder politisch überzeugt?
Ich war nie gegen einen Tunnel, nur Pragmatiker. Am Ende bauen wir für die Fahrgäste. Die alte Tunnelplanung mit einer Station am nördlichen Raschplatz war überholt und nicht attraktiv. Jetzt reden wir über eine sinnvolle Trasse unter der Sallstraße, realistisch und wirtschaftlich. Oberirdisch wäre das kaum machbar, also ist unterirdisch die bessere Lösung.
Pragmatismus hat seinen Preis. Wie hoch ist der dieses Mal?
Wir kalkulieren 500 bis 700 Millionen Euro. Viel Geld, aber mit bis zu 20.000 zusätzlichen Fahrten pro Tag im Verhältnis vertretbar. Ohne neue Trasse kollabiert das System langfristig. Der Tunnel entlastet Marienstraße und Hildesheimer Straße. Sonst erleben wir hier das, was die Deutsche Bahn auf ihren Hauptstrecken hat: eine Verspätungskaskade.
Das ist deutlich mehr Geld als bisher bekannt. Aber wann fällt endlich eine Entscheidung, nicht nur ein Beschluss?
Die Regionsversammlung hat die Planung beschlossen. Jetzt folgt die Ausschreibung für ein erfahrenes Ingenieurbüro. Über den Bau selbst wird wohl 2027 entschieden, in den 30ern könnte er gebaut werden.
Klingt, als wären Sie auch von Ihrem eigenen Tempo nicht ganz überzeugt.
(lacht) Große Infrastrukturprojekte brauchen viel Geduld und Energie. Die haben wir.
Kommen wir zum nächsten Großprojekt – die neue Medizinische Hochschule. In Groß-Buchholz entsteht für Milliarden ein komplett neues Klinikum, aber ohne Stadtbahnanschluss. Wie kann das sein?
Das ist für uns völlig unverständlich. Da haben Leute geplant, die keine Verkehrsplaner sind. Die Idee, die Klinik mit einem Busshuttle zu erschließen, ist absurd: Zweimal umsteigen vom Hauptbahnhof, das tut sich niemand an. Unsere Simulation zeigt: 14.000 Fahrgäste mit Shuttle, 19.000 mit direktem Stadtbahn-Anschluss. Die Busvariante bedeutet mindestens 3.000 zusätzliche Autofahrten pro Tag – das kann niemand wollen.











