Studie zum automatisierten Fahren
Viele Kopfstöße erlebt? Das könnte im Auto zum Problem werden
27.08.2026 – 13:47 UhrLesedauer: 3 Min.
Automatisierte Autos sollen dem Fahrer Arbeit abnehmen. Für Menschen mit einer bestimmten Vorgeschichte könnte der Wechsel zurück ans Steuer schwieriger werden.
Das Auto fährt selbst, der Mensch kann sich anderen Dingen widmen: Die Verheißungen moderner Assistenztechnik klingen entspannend. Doch sobald die Technik an ihre Grenzen kommt, muss der Fahrer auch in den kommenden Fahrzeuggenerationen wieder übernehmen – und zwar zuverlässig. Genau dieser Wechsel könnte manchen Menschen schwerer fallen als anderen.
Hinweise darauf liefert eine Pilotstudie der US-amerikanischen Binghamton University. Die Forscher untersuchten 17 professionelle Eishockeyspieler sowie 17 etwa gleichaltrige Teilnehmer ohne Kontaktsport-Erfahrung.
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Eishockeyspieler übernehmen seltener erfolgreich
Für die Untersuchung absolvierten beide Gruppen eine etwa einstündige Fahrt in einem Simulator. Dabei fuhr das Fahrzeug zeitweise automatisiert. In mehreren Situationen erreichte das System jedoch seine Grenzen und forderte den Fahrer auf, die Kontrolle zu übernehmen. Die Forscher untersuchten, wie gut die Teilnehmer Gefahren voraussehen konnten und wie sie bei der anschließenden manuellen Fahrt reagierten. Zusätzlich zeichneten sie Augenbewegungen auf, um Hinweise auf mentale Beanspruchung und Situationsbewusstsein zu erhalten.
Bei der Übernahme aus dem automatisierten Fahren zeigte sich ein Unterschied: Den Eishockeyspielern gelang sie in 81 Prozent der Fälle erfolgreich, der Vergleichsgruppe in 93 Prozent. Zudem hielten die Sportler die manuelle Kontrolle anschließend im Durchschnitt kürzer aufrecht.
Unterschiede stellten die Wissenschaftler auch beim Situationsbewusstsein fest. Nach einer Übernahme mussten die Teilnehmer Fragen dazu beantworten, was unmittelbar im Verkehr passieren könnte – etwa ob weitere Fahrzeuge auftauchen oder sie wegen eines möglichen Risikos langsamer fahren müssten. Assistenzprofessorin Chao Shi von der Binghamton University erklärte in einer Pressemeldung, dass eine Vorgeschichte von Gehirnerschütterungen und wiederholten Kopfstößen die Übernahme der Fahraufgabe bei automatisierten Autos anspruchsvoller machen könnte: „Sie (die Eishockeyspieler; Anm. d. Red.) konnten weniger gut einschätzen, was in den nächsten Sekunden passieren würde.“ Nach Einschätzung der Forscher spiegelte sich das auch in der Fahrleistung wider.
Bei allgemeinen kognitiven Tests schnitten die Eishockeyspieler dagegen nicht schlechter ab. Sie gaben auch nicht an, die Aufgabe als mental belastender empfunden zu haben. Die Messung der Augenbewegungen lieferte bei ihnen allerdings Hinweise auf eine höhere mentale Beanspruchung.
Warum das bei Level 3 wichtig werden könnte
Relevant könnte die Frage werden, wenn mehr sogenannte Level-3-Autos auf die Straße kommen. Bei dieser Assistenztechnik fährt das Auto unter bestimmten Voraussetzungen selbstständig, der Fahrer darf die Fahraufgabe zeitweise tatsächlich dem Auto überlassen. Anders als bei Assistenzsystemen niedrigerer Stufen muss er auch den Verkehr während der automatisierten Fahrt nicht dauerhaft überwachen, muss jedoch wieder übernehmen, sobald das System ihn dazu auffordert. Das kann beispielsweise notwendig werden, wenn die Technik eine Situation nicht einschätzen kann und deshalb an den Fahrer übergibt.
Genau diese Übergangsphase beschäftigt die Wissenschaftler. Associate Professor Vipul Lugade beschreibt eine Situation, in der der Mensch „nicht ganz Passagier und auch nicht immer Fahrer“ sei. Die entscheidende Frage sei, ob Menschen nach längerer Zeit ohne aktive Beteiligung am Verkehr bereit und vor allem in der Lage seien, wieder selbst zu fahren.
