Kein Schock für die Weltwirtschaft

Öl wird immer teurer – doch der Absturz bleibt aus


24.04.2026 – 18:01 UhrLesedauer: 3 Min.

Pumpe in einem Ölfeld: Steigende Ölpreise belasten Verbraucher weltweit, trotzdem droht keine Krise wie in den 1970er Jahren. (Quelle: Jacob Ford/Odessa American/dpa)

Wenn Öl teuer wird, gerät die Wirtschaft normalerweise ins Wanken. Warum das heute anders ist, zeigt ein Blick in die Geschichte.

Der Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise wieder nach oben. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Das spüren Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Zapfsäule, bei der Heizkostenabrechnung und zunehmend auch im Supermarkt.

Trotzdem lohnt sich ein nüchterner Blick in die Geschichte der Ölmärkte. Denn das, was gerade passiert, ist kein Ausnahmezustand, sondern ein bekanntes Muster. Ölpreisschocks gab es immer wieder – doch ihre Folgen für die Weltwirtschaft sind heute deutlich geringer als früher.

Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege bei HQ Trust, hat mehr als fünf Jahrzehnte Öldaten analysiert – von Januar 1970 bis März 2026 und inflationsbereinigt. Neben dem reinen Ölpreis bezieht er eine zweite zentrale Kennzahl ein: die sogenannte Ölintensität.

Damit ist gemeint, wie viel Öl benötigt wird, um eine bestimmte Wirtschaftsleistung zu erzeugen – also pro Einheit des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP beschreibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die weltweit produziert werden.

Das Ergebnis der Analyse: Ölpreisschocks sind zwar ein wiederkehrendes Phänomen. Doch ihre wirtschaftlichen Folgen nehmen systematisch ab. Die Weltwirtschaft reagiert heute deutlich robuster auf steigende Preise als noch in früheren Jahrzehnten.

Die Zahlen legen nahe, wie leicht sich die Lage falsch einschätzen lässt. Während der ersten Ölkrise 1973 stieg der Preis von rund 3,50 auf knapp 10 US-Dollar pro Barrel. Das klingt aus heutiger Sicht überschaubar. Doch dieser Eindruck täuscht.

Kielkopf erklärt: „Auch wenn dieser Preissprung nominal unspektakulär aussieht. Gemessen in heutigen Preisen entsprach er einem Sprung von rund 30 auf über 100 US-Dollar pro Barrel, was ein echter Schock war.“

Erst wenn man die Inflation berücksichtigt – also die allgemeine Preissteigerung über die Jahre –, wird klar, wie stark Unternehmen und Verbraucher damals tatsächlich belastet wurden. Nur so lässt sich die Situation von damals sinnvoll mit heute vergleichen, betont der Experte.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Fast alle großen Ölpreisschocks hatten geopolitische Ursachen.

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