Gefahr entsteht, wenn diese Hormonwirkung fehlt – also wenn die Cortisolproduktion in uns zum Erliegen kommt. Die akute Nebenniereninsuffizienz zeigt, was bei einem plötzlichen Mangel passiert: Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber, geistige Verwirrung, massiver Flüssigkeitsverlust oder Kreislaufkollaps, begleitet von Herzrasen, können die Folgen sein. Ohne sofortige Behandlung stirbt der Mensch.
Sind die Nebennieren dagegen überaktiv und produzieren zu viel Cortisol, entsteht die Krankheit Cushing-Syndrom – mit Symptomen wie rotem Vollmondgesicht, Stiernacken und einer Fettansammlung vor allem am Rumpf. Hinzu kommen Bluthochdruck, Diabetes, Muskelabbau, Muskelschwäche, Osteoporose, psychische Veränderungen, Schlafstörungen und zahlreiche Hautveränderungen. Die Haut wird dünn, verletzlich und ist von blauen Flecken überzogen, weil die Blutgefäße ihre Elastizität verlieren. In der Lederhaut (tiefere Hautschicht) entstehen Einrisse mit Narbenbildung. Sie heißen „Stern-Pseudo-Narben“, wobei der Dermatologe von Pseudocicatrices stellaires (sternförmige Scheinnarben) spricht.
Ein dauerhaft zu hoher Cortisolspiegel im Blut verursacht außerdem rote Dehnungsstreifen, Pickel und verstärkten Haarwuchs im Gesicht und am Körper – auch bei Frauen. Genau diese Symptome sind es, die eine längere hoch dosierte Kortisontherapie mit Tabletten ebenfalls hervorrufen kann. Sie wird bei lebensgefährlichen Krankheiten gegeben, wenn das Immunsystem schwerste Entzündungen wie Rheuma oder andere Autoimmunerkrankungen hervorbringt, die auch die Haut betreffen können. Auch nach schweren Unfällen oder Schlaganfällen kommt sie zum Einsatz, um etwa eine Hirnschwellung zu verhindern; ebenso kann Kortison bei einer heftigen Chemotherapie die Nebenwirkungen abmildern und die Wirkung der Antikrebsmittel unterstützen.
Wird Kortison nur kurz, bis zu wenige Tage gegeben, sind Langzeitschäden nicht zu befürchten. Bei einem allergischen Schock mit akuter Atemnot, bei Asthma, Pseudokrupp oder heftiger Nesselsucht ist eine kurze Stoßtherapie sehr hilfreich und lebensrettend.
Kortison wirkt jedoch diabetesfördernd, weil es die Glukose-Neubildung in der Leber ankurbelt und die Insulinwirkung im Gewebe abschwächt. Der Körper stellt so im Stressfall schnell Energie bereit.










