Der heute 53 Jahre alte Palmer verließ nach einem inakzeptablen Judenstern-Vergleich und der Verwendung einer rassistischen Bezeichnung für Schwarze vor rund drei Jahren die Grünen. Zuvor musste er seine Parteimitgliedschaft ruhen lassen. Mit dem Austritt kam er einem Rauswurf aber wohl ohnehin nur zuvor. Besonders in der Flüchtlings- und Migrationspolitik lag der nicht auf den Mund gefallene Kommunalpolitiker mit seiner Partei völlig über Kreuz. Die Grünen warfen ihm damals wegen diverser Äußerungen Rassismus vor, mehrfach wurde ein Parteiausschluss gefordert. Auch Özdemir sparte damals nicht mit Kritik am Tübinger Oberbürgermeister.

Palmer gilt auch heute noch als Provokateur. Nach seinem Parteiaustritt gestand er damals aber ein: „Wenn ich mich zu Unrecht angegriffen fühle und spontan reagiere, wehre ich mich in einer Weise, die alles nur schlimmer macht.“

Palmer hat die eigene Partei damals mit seinen Äußerungen zwar gegen sich aufgebracht. Doch in Baden-Württemberg ist der prominente Kommunalpolitiker weiter beliebt. Das zeigt auch eine aktuelle Befragung: Demnach wünschen sich 39 der Menschen im Südwesten, dass Palmer nach der Landtagswahl eine Rolle auf Landesebene spielt. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.

Bei den FDP-Anhängern sprechen sich demnach sogar 60 Prozent für eine Rolle Palmers auf Landesebene aus. Auch unter den Anhängern von Grünen, CDU und SPD befürwortet rund jeder Zweite ein solches Amt. Bei der AfD sind es immerhin noch 41 Prozent, auch wenn damit die Ablehnung überwiegt – so wie auch bei der Linken.

Diese Werte könnten erklären, warum Özdemir im Wahlkampf-Endspurt auf seinen langjährigen Weggefährten setzt. Die Grünen in Baden-Württemberg seien so etwas wie das gallische Dorf in der Bundespartei, sagt Özdemir immer mal wieder. Größtmögliche Distanz also zur Parteispitze in Berlin. Özdemir zielt im Südwesten nicht auf Wähler der Linken, die dort laut Umfragen ohnehin nur bei sieben Prozent liegt. Stattdessen versucht er offenbar, Stimmen von FDP, CDU und vielleicht sogar AfD zu gewinnen. Seine Grünen, so die Botschaft, sind nicht die Grünen, die in der Parteizentrale in Berlin sitzen.

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