Bei der Syphilis jedoch ist ein Handschlag unter Umständen doch infektiös, genau dann, wenn an den Händen bereits Hautveränderungen durch Syphilisbakterien aufgetreten sind. Die Syphilis verläuft in Stadien und kann, wenn sie unentdeckt bleibt, nicht nur die Geschlechtsorgane, sondern auch Haut, Rückenmark, Gehirn, Hauptschlagader, Knochen und innere Organe befallen. Unter Dermatologen gilt die Syphilis als „Affe unter den Hautkrankheiten“, weil sie fast jede Hauterkrankung imitieren kann, mit Symptomen wie Haarausfall, Ausschlag, Ekzemen und Warzen. Das macht die Diagnose für uns Ärzte nicht immer einfach.
Einmal kam ein junger Student wegen eines ungewöhnlichen Ausschlags mit roten Einblutungen in meine Sprechstunde. Der ganze Körper war betroffen. Die Hautstellen hatten in der Mitte schwarze Krusten, Überreste von abgestorbenem Gewebe. Seit Monaten war er von Arzt zu Arzt gezogen, mit Kortison behandelt, und sogar eine Biopsie war durchgeführt worden. Doch auch die Untersuchung der Hautprobe führte zu keinem Hinweis auf die Ursache. Ich entschied mich, ihm Blut abzunehmen und es auch auf Syphilis zu prüfen – Volltreffer! Statt mit Kortison musste nun mit einem Antibiotikum gegen die Bakterien gekämpft werden.
Wer sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen hat, muss auch auf andere übertragbare Erreger getestet werden: Ein Unglück kommt selten allein. So geschieht es häufiger als man annehmen würde, dass sich HIV-Patienten zwischendurch noch eine frische Syphilis zuziehen – da wurde dann wohl das Kondom vergessen oder absichtlich weggelassen. Heute schützt vor HIV auch die Präexpositionsprophylaxe, das ist die vorbeugende Einnahme antiretroviraler Medikamente durch HIV-negative Personen vor möglichen Risikokontakten, wodurch eine HIV-Infektion mit sehr hoher Sicherheit verhindert werden kann. Aber nicht die Übertragung anderer Erreger, die haben weiterhin freie Bahn.
Viele Frauen leiden unter Hefepilzerkrankungen in der Vulva, die sich gerne in die Scheide ausdehnen. Meist sind es Hefen, die sich aus dem Darm den Weg bahnen. Scheide und Vulva jucken, brennen, Ausfluss tritt aus. Bei Männern setzen sich solche Pilze unter der Vorhaut fest, es kommt zur Schwellung und Rötung, und beim Geschlechtsverkehr kann es schon mal mächtig wehtun.
Obwohl die heutigen Antipilzmittel gut helfen, kommen bei manchen die Probleme immer wieder. Das kann immunologische oder hygienische Ursachen haben, mit der Einnahme der Antibabypille oder einer Antibiotikatherapie zusammenhängen, einer unausgewogenen Ernährung, einer gestörten Darmflora oder einem chronisch infizierten Partner.
Hefepilzinfektionen untenrum, auch Soor oder Candida-Infektion genannt, sind keine klassischen sexuell übertragbaren Erkrankungen, können aber dennoch beim Sexualkontakt zwischen Partnern hin- und herübertragen werden. Hefen gibt es so ziemlich überall, aber nicht immer setzen sie sich auf eine krank machende Art und Weise fest. Sie mögen es feucht und warm und lieben daher die Schleimhäute. Häfen für diese Hefen finden sich unter der Vorhaut oder in einer der vielen Vulva-Nischen. Gerade die Vulva hat zahlreiche Ecken und Winkel. Reinigen sollte man dort allerdings nur mit Wasser, nicht mit Seife, damit man die ansässige (positive) Bakterienflora nicht stört: Nur so kann diese ihren Job als Türsteher zufriedenstellend erledigen. Intimwaschlotionen sind somit unnötig.











