Äußerst seltenes Phänomen

Feuerwolke bedroht Frankreich – „Das ist beispiellos“


Aktualisiert am 28.07.2026 – 07:23 UhrLesedauer: 3 Min.

Eine Feuerwolke entsteht etwa 60 Kilometer südlich von Paris: Pyrocumulonimbus-Wolken gelten als unberechenbar. (Quelle: AP Photo/Emma Da Silva/dpa-bilder)

Selbst Feuerwehrleute fürchten das Phänomen: In Frankreich wütet ein von den Waldbränden erzeugter Feuersturm.

Bei den verheerenden Waldbränden im Südwesten Frankreichs ist ein Phänomen aufgetreten, das selbst hart gesottene Feuerwehrleute fürchten: ein von den Bränden erzeugter Feuersturm, der eine glühend heiße Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass dieses Wetterphänomen, die Pyrocumulonimbus-Wolke oder auch Feuerwolke, in Frankreich beobachtet wurde. „Das ist beispiellos“, sagte Eric Brocardi, der Sprecher des französischen Feuerwehrverbandes FNSPF. „Es ist ein David-gegen-Goliath-Szenario“, so Brocardi. Die Feuerwehrleute hoffen ihm zufolge auf eine „Schwachstelle“, an der sie ansetzen können.

300.000 Menschen evakuiert

Bis zum Wochenende waren wegen der Feuer in Frankreich und Spanien mehr als 300.000 Menschen zur Flucht gezwungen. In Frankreich wüteten die Flammen vor allem im Südwesten des Landes, wo sie sich laut Innenminister Laurent Nuñez zuletzt „unkontrolliert“ nahe der Stadt Bordeaux ausbreiteten. Am Sonntag rückten sie demnach bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Stadtgroßraums heran.

42.000 Hektar Land in der Gironde fielen nach Angaben der Präfektur bislang den Flammen zum Opfer. 250.000 Menschen waren nach offiziellen Angaben bis Sonntagnachmittag in Frankreich von einer Evakuierungsaufforderung betroffen. Allein in der Umgebung von Bordeaux wurden mindestens 240 Häuser zerstört, viele davon in der Gemeinde Le Porge. Am Wochenende beteiligten sich an den Einsätzen gegen die Flammen im Département Gironde rund 2.500 Feuerwehrleute, 1.500 Militärangehörige und etwa 1.200 Polizisten.

Drohnenaufnahmen zeigen die Verwüstung im Département de la Gironde. (Quelle: REUTERS/dpa-bilder)

Blitze und Orkane aus der Feuerwolke

Die auch als Cumulonimbus flammagenitus bezeichnete Wolke entsteht, wenn sich bodennahe Luft so stark erhitzt, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt, oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen.

Heftige Gewitter entstehen, die meist zu wenig Regen, aber heftigen Blitzen führen. Diese können auch in großer Entfernung – vereinzelt über 30 Kilometer weiter – neue Brände entzünden. Oft schießen Blitze aus der Wolke zu Boden und es entsteht ein grollendes Geräusch. Zudem treten in der Gewitternähe starke Böen auf, teils mit Orkanstärke. Sie lassen schnell neue große Flächen brennen, vor allem wenn die Vegetation ausgedorrt ist.

Ein Feuerwehrmann kämpft gegen den Waldbrand an. (Quelle: AP Photo/Baz Ratner/dpa-bilder)
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