Premiere am Ernst-Deutsch-Theater

Wal Timmy wird in Hamburg zum Messias – Publikum gespalten

13.07.2026 – 09:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Drei Darsteller stehen unter einer Walfigur am Kreuz: Das Ernst-Deutsch-Theater erzählt die Geschichte von Timmy als moderne Passionsgeschichte. (Quelle: Georg Wendt/dpa)

Weihrauch, Orgelmusik und ein Fleischwolf: Ein Hamburger Theater verarbeitet das Drama um Buckelwal Timmy. Die Reaktionen fallen gegensätzlich aus.

Das Schicksal des Buckelwals Timmy bewegte im Frühjahr viele Menschen. Nun bringt das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater die Geschichte des verendeten Tieres auf die Bühne. „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ wurde am Samstagabend uraufgeführt.

Der Buckelwal wurde Anfang März erstmals bei Wismar gesichtet und strandete in den folgenden Wochen mehrfach an der deutschen Ostseeküste. Zuletzt lag das auch Timmy oder Hope genannte Tier in der flachen Kirchsee-Bucht vor Poel fest. Eine private Rettungsinitiative brachte den Wal anschließend per Lastkahn ins Skagerrak, wo er Anfang Mai freigelassen wurde. Rund zwei Wochen später wurde er tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden.

Regisseur Alexander Klessinger und Schauspieler Enrique Fiß erzählen die Geschichte als moderne Passionsgeschichte. Nach Angaben der Autoren ist der Abend eine Mischung aus Performance, Konzert, Messe und öffentlicher Selbstbefragung. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, welche Hoffnungen und Sehnsüchte Menschen auf den Wal übertragen.

Eine Walfigur liegt auf einem Altar, daneben Darsteller in weißen Gewändern: Die Inszenierung verbindet das Drama um Timmy mit Motiven einer katholischen Messe. (Quelle: Georg Wendt/dpa)

Wal-Puppe landet auf dem Altar

Die rund einstündige Aufführung beginnt mit Unterwassergeräuschen, Orgelmusik und Weihrauch. Nach Berichten von „Bild“ und „Süddeutscher Zeitung“ wird ein aufblasbarer Wal in einer Prozession zum Altar getragen. Ein Priester ruft: „Der Wal sei mit euch.“

Später wird eine nachgebaute Wal-Puppe geöffnet. Ihre künstlichen Innereien landen in einem Fleischwolf. Zudem greift das Stück Fernsehinterviews, politische Äußerungen und den viralen KI-Song „Er hat sich das nicht ausgesucht“ auf.

Die Reaktionen bei der Premiere fielen unterschiedlich aus. Viele Zuschauer hätten gelacht, gejubelt und applaudiert. Andere zeigten sich hingegen irritiert. „Wir sind geschockt vom Publikum“, sagte ein Paar aus Buxtehude der „Bild“. Ein anderer Besucher sprach dagegen von „modernstem Theater“ und einer „spektakulären“ Inszenierung.

Kirsten Tönnies spricht nach der Aufführung über den Fall Timmy: Die Tierärztin war bei einem Rettungsversuch vor Ort. (Quelle: Georg Wendt/dpa)

Diskussion und Konzert nach der Aufführung

Fiß beschäftigt vor allem, wie schnell die Debatte über die Rettung des Wals eskalierte. „Am Ende hassen sich alle gegenseitig, dabei war es das Ziel, etwas Positives zu bewirken“, sagte der Schauspieler.

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