Verdi-Prozess
„Ein schwarzes Loch“: Überlebende schildern ihre Erinnerungen
26.02.2026 – 17:58 UhrLesedauer: 3 Min.
Knochenbrüche und Kreuzbandrisse, Tote und Überlebende: Die Schilderungen am Oberlandesgericht München sind erdrückend – und zeigen, wie wichtig die Erlebnisse der Überlebenden sind.
„Dieses unsägliche Leiden, was da war“, sagt er und stockt. Er habe die später gestorbene Mutter gesehen und wie Ersthelfer versuchten, sie zu reanimieren. Auch den Kinderwagen, in dem das zweite Todesopfer, die kleine Tochter der Frau, gesessen habe, habe er gesehen. „Ich kannte die alle nicht, aber die Bilder habe ich.“
Im Prozess um den Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München hat ein Überlebender vor dem Oberlandesgericht (OLG) von diesen fürchterlichen Bildern berichtet, die er seither im Kopf hat. „Mir sind die Szenen sehr in Erinnerung.“
Der 1978 geborene Mann war gemeinsam mit Kollegen auf der Demonstration. Er hatte sich nach eigenen Angaben gerade mit den anderen Männern für ein Selfie an das Ende des Zuges begeben, als das Auto des Angeklagten heranraste.
Für ihn sei das Fahrzeug wie aus dem Nichts gekommen, sagt der Zeuge. Er habe sich noch ganz normal mit seinem Kollegen unterhalten. „Ich frag‘ ihn nach den Befindlichkeiten von seiner Mutter, er antwortet und mitten im Satz ist er weg.“
Etwa 20 Meter entfernt habe er seinen Kollegen dann verletzt auf dem Boden liegen sehen. Er habe sich um ihn gekümmert, „weil er bewusstlos war und ich nicht wusste, ob er überhaupt noch lebt“. Leichenblass sei der Mann gewesen – und er selbst wahnsinnig erleichtert, als sein schwer verletzter Kollege nach einigen Minuten wieder zu sich kam: „Ich hab‘ mir gedacht, dass er das nicht überlebt hat und war dann so dankbar, dass er sich bewegt.“
Der Schwerverletzte selbst kann sich an den Aufprall nicht erinnern. Wie „ein schwarzes Loch“ sei das, sagt der 1981 geborene Mann, als er später mit seiner Zeugenaussage dran ist. „Das erste Licht“ sei sein Kollege gewesen, auf dessen Schoss liegend er wieder aufwachte.
Sein vierfach gebrochener Unterschenkel und das gerissene Kreuzband bereiten ihm heute keine Schmerzen mehr, sagt er. Das Implantat – die Platten und Schrauben – müssten bald entfernt werden. „Joggen ist nach wie vor mein großes Ziel“, erzählt er. Aktuell fehle noch die Kondition, aber da käme er wieder hin, das hätten ihm auch die Ärzte versichert.
