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Schlöndorffs „Heimsuchung“: Horror vor der eigenen Haustür
15.10.2026 – 03:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Schlöndorff verfilmt Erpenbecks Roman über ein Haus am Scharmützelsee. Heimat ist für ihn „überhaupt kein Begriff“, sagt er.
Regisseur Volker Schlöndorff hat seinen neuen Film „Heimsuchung“ vorgestellt und Heimat dabei als „den Horror“ beschrieben. Dem „Tagesspiegel“ sagte der Oscarpreisträger, der Stoff treffe ihn persönlich, weil der Film vor seiner Haustür spiele. Der Film läuft am heutigen Donnerstag bundesweit in den Kinos an.
„Heimsuchung“ basiert auf dem Roman von Jenny Erpenbeck und erzählt von einem Haus am Scharmützelsee in Brandenburg, dessen Bewohner immer wieder von politischen Umbrüchen eingeholt werden. „Die Leute scheitern nicht an sich selbst oder dem Haus“, sagte Schlöndorff der Tageszeitung. „Sie scheitern, weil die deutsche Geschichte ihnen in die Quere kommt.“ Den Film nannte er eine „Meditation über den Begriff Heimat“ und ordnete ihn als Horrorfilm ein.
„Heimat“ hat für Schlöndorff einen „nationalen Beigeschmack“
Schlöndorff lebt nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren am Griebnitzsee in Potsdam-Babelsberg. Direkt an seinem Grundstück verlaufe ein ehemaliger Grenzstreifen, der nach dem Mauerfall als öffentlicher Uferweg genutzt worden sei; Anrainer hätten den Weg inzwischen blockiert. Das sei ein „Musterbeispiel“ für die Themen seines Films, sagte er, und verwies dabei auch auf Eigentumsfragen: „Man könnte sagen: Das Ur-Übel ist der Privatbesitz“; zugleich ergänzte er, „Nur leider hat das andere Modell auch nicht funktioniert.“
Den Begriff Heimat hält Schlöndorff nach eigenen Angaben für kaum übersetzbar. Er habe für ihn „immer einen patriotischen oder sogar nationalen Beigeschmack“. Geografisch sei Heimat für ihn „überhaupt kein Begriff“.
Schlöndorff lebt seit mehr als 30 Jahren im Berliner Speckgürtel
Auch auf eine umstrittene Aussage zur Defa aus dem Jahr 2008 ging Schlöndorff im Interview ein. „Mit einem Satz habe ich damals acht Jahre Arbeit kaputtgemacht“, sagte er. Die Defa-Studios stünden heute und seien aktiv, der Einsatz sei nicht umsonst gewesen.
Schlöndorff wurde 1939 in Wiesbaden geboren und wuchs im Taunus auf. In den 1960er-Jahren arbeitete er in Frankreich als Regieassistent, bevor ihm 1966 mit „Der junge Törless“ der Durchbruch gelang. Für „Die Blechtrommel“ erhielt er 1980 den Oscar für den besten ausländischen Film; seit 2016 ist er Honorarprofessor an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Seit mehr als 30 Jahren lebt er nun bei Berlin.
