Bei schweren Verbrennungen

Hoffnungsträger Vitamin C enttäuscht: Studie wird abgebrochen


16.06.2026 – 14:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Patient mit Infusion im Krankenhaus (Symbolbild): Hochdosiertes Vitamin C wird bei schweren Verbrennungen teilweise als zusätzliche Therapie eingesetzt. (Quelle: Drazen_/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Kann hochdosiertes Vitamin C bei schweren Verbrennungen helfen? Nein, zeigt eine Studie. Im Gegenteil: Unter der Behandlung starben mehr Patienten als unter Placebo.

Wenn Menschen mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus kommen, schweben sie in Lebensgefahr. Denn von den Verletzungen ist nicht nur die Haut betroffen. Der gesamte Körper steht unter massivem Stress. Blutgefäße werden durchlässiger, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, Entzündungen breiten sich aus. Im schlimmsten Fall versagen lebenswichtige Organe.

Verhindern lassen sich derart schwerwiegende Folgen nur durch eine rasche intensivmedizinische Behandlung. Als zusätzliche Therapieoption erhielten Betroffene in manchen Fällen auch hochdosiertes Vitamin C als Infusion. Die Behandlung galt lange als vielversprechend – zu Unrecht, wie eine neue Studie nahelegt: Sie wurde vorzeitig gestoppt, nachdem die Zwischenauswertung auf einen möglichen Schaden der Therapie hingedeutet hatte.

Vitamin C wird teilweise bereits eingesetzt

Die Idee, schwer verbrannte Patienten mit hochdosiertem Vitamin C zu behandeln, gibt es schon länger. Das Prinzip dahinter: Vitamin C soll schädliche Stoffe neutralisieren, die nach einer schweren Verbrennung in großer Menge im Körper entstehen. Außerdem sollte es die Blutgefäße schützen, Infektionen vorbeugen und die Wundheilung unterstützen.

Frühere Studien hatten Hinweise auf einen Nutzen geliefert. Deshalb findet sich hochdosiertes Vitamin C sogar in einigen internationalen Empfehlungen zur Behandlung schwerer Verbrennungen. Auch die deutsche Leitlinie zu schweren Verbrennungen erwähnt hochdosiertes Vitamin C. Bei besonders großflächigen Verbrennungen könne die Behandlung in Betracht gezogen werden. Gleichzeitig betonen die Autoren der Leitlinie, dass die bisherigen Studien keine eindeutigen Ergebnisse liefern.

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238 Schwerbrandverletzte untersucht

Die aktuelle Studie sollte nun klären, was die Behandlung tatsächlich bringt. Dafür wurden 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen untersucht. Die Verletzungen betrafen jeweils mindestens 20 Prozent der Körperoberfläche.

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. 120 von ihnen erhielten vier Tage lang alle sechs Stunden hochdosiertes Vitamin C über eine Infusion, 118 bekamen stattdessen ein Placebo, also eine Scheinbehandlung. Weder die Patienten noch die behandelnden Ärzte wussten, wer welche Behandlung erhielt.

Das Ergebnis überraschte: Die Behandlung schien nicht zu helfen, sondern sogar zu schaden. Besonders auffällig waren die Unterschiede bei der Sterblichkeit. Innerhalb der ersten 28 Tage starben 15 Prozent der Patienten in der Vitamin-C-Gruppe. In der Placebogruppe waren es 7,6 Prozent.

Damit war das Sterberisiko unter Vitamin C etwa doppelt so hoch. Auch über den gesamten Krankenhausaufenthalt hinweg starben in der Vitamin-C-Gruppe mehr Patienten als in der Vergleichsgruppe.

Zudem konnten Patienten, die Vitamin C erhalten hatten, tendenziell seltener innerhalb von 90 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Auch bei schweren Organstörungen zeigte sich kein Hinweis auf einen Vorteil der Behandlung. Diese ernüchternden Ergebnisse veranlassten die Forscher, die Studie bereits bei einer Zwischenanalyse vorzeitig abzubrechen.

Wieso blieb die erhoffte Wirkung aus?

Die Studie erinnert einmal mehr an einen der wichtigsten Gründe dafür, neue Therapieansätze gründlich in klinischen Studien zu überprüfen – egal, wie plausibel sie in der Theorie anmuten. Denn nur, weil eine Behandlungsmethode theoretisch sinnvoll klingt, muss sie in der Praxis noch lange nicht die erwünsche Wirkung zeigen.

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