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Home » Viele Konservendosen haben noch immer ein Schadstoff-Problem
Leben

Viele Konservendosen haben noch immer ein Schadstoff-Problem

MitarbeiterBy MitarbeiterAugust 27, 2026
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800-mal so viel BPA, wie vorgesehen

Viele Konservendosen haben noch immer ein Schadstoff-Problem

Aktualisiert am 27.08.2026 – 14:54 UhrLesedauer: 3 Min.

Vergrößern des Bildes

Konservendosen im Supermarkt (Symbolbild): Viele enthalten weiterhin hormonwirksames BPA. (Quelle: Pavel Herasimau/getty-images-bilder)

Ravioli, Ananas, Linsensuppe: Wer hier zur Dose greift, kauft oft auch hormonwirksame Chemikalien ein. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von „Öko-Test“.

Konservendosen haben einen festen Platz in vielen Küchenschränken. Sie haben oft aber auch ein Schadstoff-Problem. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Zeitschrift „Öko-Test“ (Ausgabe 9/2026).

Konkret geht es um Bisphenole. Das sind Chemikalien, die auf das Hormonsystem einwirken und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Prominentester Vertreter der Gruppe ist Bisphenol A, kurz: BPA.

Belastung ist ein lange bekanntes Problem

Dass viele Dosenlebensmittel mit diesen Chemikalien belastet sind, ist nicht neu. Im April 2024 ergab beispielsweise eine Analyse der Stiftung Warentest, dass BPA in Konservendosen weit verbreitet ist.

In der aktuellen Analyse von „Öko-Test“ fiel die BPA-Belastung bei den meisten – 42 der 52 – der untersuchen Lebensmittel hoch oder sehr hoch aus.

Mehrheit der Deutschen kritisch belastet

83 Prozent der deutschen Bevölkerung sind der Chemikalie Bisphenol A (BPA) in Mengen ausgesetzt, die als gesundheitlich bedenklich gelten. Das geht aus Daten hervor, die die Europäische Umweltagentur (EEA) bereits im Jahr 2023 vorstellte. Menschen nehmen die Substanz demnach hauptsächlich mit der Nahrung auf, aber auch Luft, Staub oder Wasser seien mögliche Quellen.

Eine wichtige Rolle spielt die Lackierung

Wie können die Chemikalien überhaupt in die Lebensmittel gelangen? Relevant ist „Öko-Test“ zufolge der Dosenlack.

Eine frühere Abfrage der Zeitschrift bei Herstellern zeigt zwar: Für das Innere der Dose sind mittlerweile Lacke der Standard, bei denen bewusst kein BPA zum Einsatz kommt. Anders sieht das bei Außenlacken aus, was aber auch die Lebensmittel im Inneren mit Bisphenolen verunreinigen kann. Der Grund: Während der Dosenproduktion können Außen- und Innenseiten beim Stapeln miteinander in Berührung kommen, dabei könne ein sogenannter „Abklatsch“ stattfinden, erklären die Öko-Tester.

Mit BPA-belasteten Dosen soll aber bald Schluss sein. Nach und nach treten Verbote in Kraft, die von Übergangsfristen begleitet werden. So darf BPA in der EU seit Januar 2025 nicht mehr absichtlich für Materialien verwendet werden, die Kontakt mit Lebensmitteln haben. Ab Januar 2028 dürfen auch keine Dosen mit BPA-haltigen Außenlacken mehr in den Verkehr gebracht werden.

Wie viel BPA ist in Ordnung? Es herrscht Uneinigkeit

Sind die Hersteller schon aktiv geworden? Das wollte „Öko-Test“ wissen und hat 52 Dosenlebensmittel im Labor auf ihre Bisphenol-Gehalte hin untersuchen lassen. Die Auswahl setzte sich zusammen aus Ravioli, Mischgemüse aus Erbsen und Möhren, Linseneintöpfen, Ananas, Softdrinks und Heringsfilets.

Bei der Einordnung der BPA-Gehalte orientierte sich die Zeitschrift an dem sogenannten TDI-Wert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Das ist ein Schätzwert für die tägliche Aufnahmemenge, „die im Laufe eines Lebens konsumiert werden kann, ohne dass sie ein merkliches Risiko für die Gesundheit birgt“, definiert die Behörde.

Über die Frage, wie viel BPA-Aufnahme für den Körper unbedenklich ist, ist sich die Fachwelt allerdings uneins. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) etwa hat einen deutlich weniger strengen TDI-Wert festgelegt als die EFSA.

Vier Erkenntnisse von „Öko-Test“

  • Premiere: Dem Test-Team begegneten in der Untersuchung erstmals Dosenlebensmittel ohne Bisphenole – ein Linseneintopf und ein Heringsfilet. Vier weitere sind nur gering belastet.
  • Das heißt im Umkehrschluss aber: Bei den meisten untersuchen Lebensmittel fällt die Belastung hoch oder sehr hoch aus.
  • In einer Portion Dosenravioli wies die Laboruntersuchung mehr als 800-mal so viel BPA nach, wie der TDI-Wert der EFSA vorsieht. Wie das Portal cleankids.de berichtet, handelt es sich bei dem Produkt um „Maggi Ravioli in Tomatensauce“. Das Test-Team bricht herunter: „Schon hat eine 60 Kilo schwere Person bereits mehr BPA intus, als sie in über zwei Jahren aufnehmen sollte“.
  • Mancher Hersteller gibt auf „Öko-Test“-Nachfrage an, sich im Umstellungsprozess zu befinden, und zwar auf Außenlacke, in denen kein BPA zum Einsatz kommt.

Wer sichergehen will, steigt auf Glas um

Ob in einer Konservendose BPA steckt, kann man ihr nicht ansehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft also lieber keine Lebensmittel in Dosen. Bis zur vollständigen Umsetzung des Verbotes kann man auf Glaskonserven umsteigen, rät die Verbraucherzentrale Sachsen.

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