Wie groß ihr Kampfgeist und der Wille zum Erfolg war, beschreibt Dahlmeier in dem Buch auf ganz dramatische Art und Weise. Dabei ging es sogar so weit, dass sie nach Gold im Einzelrennen bei der WM in Hochfilzen 2017 zusammenbrach.
„Leider konnte ich das erst mal nicht so richtig genießen, weil ich richtig k. o. war. Ich hatte im Rennen nicht 100, sondern 102 oder 103 Prozent gegeben und war so leer, dass ich mich kaum auf den eigenen Haxen halten konnte. Die Anstrengung hört nicht auf, wenn du ins Ziel kommst, sondern sie verlagert sich nur von der Loipe in den Bereich dahinter: Zeremonie, Pressekonferenz, Interviews. Tuck, tuck, tuck, tuck, tuck, tuck. Ich war so leer, dass ich auf dem Weg zurück ins Quartier gestützt werden musste“, so Dahlmeier. Nach einer kurzen Pause stand jedoch schon wieder das Staffelrennen an – und das sollte richtig dramatisch enden: mit der nächsten Goldmedaille, aber auch der totalen Erschöpfung.
„Ich musste nun also läuferisch erneut alles herausholen, weil ich es am Schießstand verkackt hatte. Ich wollte nicht diejenige sein, die die Staffel versemmelt, daher bin ich wie um mein Leben gelaufen und habe mich am Ende mit sechs Sekunden Vorsprung ins Ziel gerettet. Was danach kam, weiß ich nicht mehr wirklich“, beschreibt Dahlmeier. „Ich bin richtig zusammengeklappt. Als die Mädels aus meinem Team kamen, um mit mir zu feiern, bin ich flach mit dem Gesicht voran in den Schnee gefallen und war weg. Was mit diesem Rennen war, das war mir zu dem Zeitpunkt wurscht. Ich dachte: „Ich muss jetzt schauen, dass ich das überlebe.“
Als sie nach einigen Minuten wieder auf die Beine gekommen war, habe Dahlmeier noch versucht, sich am üblichen Siegerwahnsinn zu beteiligen, allerdings: „Nach dem ersten Teil der Interviews war für mich endgültig Schluss. Die Pressekonferenz musste ohne mich stattfinden, und bei den Medaillenfotos merkte ich, wie mein Körper wegsackte und mir wieder schwarz vor Augen wurde. Unser Mannschaftsarzt Klaus Marquardt legte mir die Haxen nach oben und versuchte, meinen Kreislauf zu stabilisieren.“









