Verteidigungsministerin Lambrecht über Putin, Waffen und Urlaub

Frau Ministerin, Sie haben mit Ihrem Sohn eine Osterreise per Bundeswehrhubschrauber gemacht. War das klug?

Konrad Schuller

Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

Nicht nur als Juristin achte ich natürlich akribisch darauf, dass alles korrekt und regelkonform läuft und stets die Kosten von mir übernommen werden, wenn mein Sohn mich begleitet. Mir ist die wenige Zeit, die ich mit ihm habe, besonders wichtig. Ich kann aber verstehen, dass das für Kritik sorgt, und ich werde dafür sorgen, dass es keinen Anlass mehr für solche Vorwürfe gibt.

Eine Karikatur zeigt Sie mit einem Sylt-Aufkleber auf dem Koffer. Sie steigen in einen Hubschrauber und sagen: „Unsere Helikopter in die Ukraine? Ausgeschlossen! Die brauchen wir selber.“ Trifft Sie das?

Das ist natürlich Satire, und die darf überspitzen, auch wenn weder ich noch mein Sohn jemals mit dem Hubschrauber nach Sylt geflogen sind, sondern zu einem Truppenbesuch. Die Flugbereitschaft hat auch nichts mit dem zu tun, was die Ukraine als Unterstützung benötigt.

Als Sie ins Amt kamen, haben Sie gesagt, dass das Lernen der Dienstgrade noch ein bisschen Zeit habe. Haben Sie die inzwischen parat?

Ich habe nicht den Eindruck, dass wir momentan in einer Zeit leben, in der es darauf ankommt, in einer Quizshow zu bestehen. Aber das ist wirklich kein Problem.

Nein, aber es gehört ja zum militärischen Leben dazu, dass man die Herrschaften mit dem anredet, was sie sozusagen dienstlich sind.

Das Wichtigste für die Soldatinnen und Soldaten ist, dass sie die Wertschätzung erfahren, die sie verdient haben. Diese Wertschätzung bekommen sie nicht allein über die Anrede. Viel wichtiger ist, dass sie das bekommen, was sie brauchen, nämlich Respekt und Anerkennung. Und das drückt sich ganz konkret in einer besseren Ausrüstung aus. Und dafür sorge ich.

Aber mittlerweile ist die Zeit, um die Sie wegen der Dienstgrade baten, ja vorbei. Würden Sie also sagen, dass das inzwischen gut klappt?

Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich habe zumindest noch niemanden erlebt, der sich da beschwert hätte.

Das ist im Verteidigungsministerium auch schwer vorstellbar, dass sich jemand darüber beschwert. Aber wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Haus jetzt beschreiben? Wie fühlen Sie sich als Politikerin mit Wurzeln in der Friedensbewegung mit all diesen Uniformen?

Ich habe mit Uniformen kein Problem. Ich sehe vor allem die Menschen, die diese Uniformen tragen, ich sehe ihre große Motivation und ihre Befähigung. Jeder Soldat, der sich für unsere Demokratie und unsere Freiheit, für uns alle einsetzt, verdient unseren größten Re­spekt. Das ist kein Beruf wie jeder andere, sondern er ist damit verbunden, dass ich mein Leben riskiere, wenn ich unsere Werte verteidige. Und es ist gut, dass sich die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Gesellschaft auch verändert hat. Beim Bahnfahren in Uniform etwa haben manche Soldaten anfangs gezögert, weil sie nicht wussten, wie das ankommt. Das höre ich heute nicht mehr. Auch als über die Corona-Amtshilfe der Bundeswehr diskutiert wurde, hieß es anfangs noch: Okay, ihr könnt helfen, aber kommt bitte nicht in Uniform. Auch das ist vorbei.

Zur Waffenhilfe für die Ukraine. Die deutsche Industrie bietet an, Schützenpanzer „Marder“ und Kampfpanzer „Leopard 1“ zu liefern, und Sie selbst haben „Gepard“-Flakpanzer angekündigt. Das kommt nicht richtig in Fahrt, und auch viele Ringtausche verzögern sich. Warum?

Der Ringtausch ist längst im Gang. Die Slowakei hat der Ukraine Flugabwehrraketen vom sowjetischen Typ S-300 geliefert, und wir schützen im Gegenzug den Luftraum der Slowakei mit unseren Patriot-Systemen.

Andere Ringtausche stocken. Slowenien und die Tschechische Republik wollen der Ukraine T-72-Panzer liefern. Sie hoffen auf Kompensation aus Deutschland, aber noch hat sich nicht viel bewegt.

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