Alles andere als harmlos
Verstopfung kann schwere Folgen haben
Aktualisiert am 03.06.2026 – 07:42 UhrLesedauer: 3 Min.
Harter Stuhlgang ist unangenehm und birgt gesundheitliche Risiken. So kann Pressen auf der Toilette unter anderem ein Hämorrhoidalleiden verursachen.
Verstopfung (Obstipation) ist ein häufiges Symptom. Bei fast jedem Menschen gerät der Darm gelegentlich ins Stocken. In der Regel normalisiert sich der Stuhlgang innerhalb weniger Tage wieder. Manchmal jedoch hält die Verstopfung länger an und wird chronisch. Eine häufige Folge sind Hämorrhoiden, kleine Gefäßpolster, die sich in der Darmwand zwischen Enddarm und dem Schließmuskel am After bilden. Doch es gibt noch weitere Leiden, die durch Obstipation verursacht werden. Lesen Sie hier, welche das sind und wie Sie Ihre Verdauung unterstützen.
Was ist Verstopfung?
Angaben der Leitlinie „Chronische Verstopfung“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e.V. (DGNM) zufolge liegt eine chronische Obstipation dann vor, wenn folgende drei Kriterien seit mindestens drei Monaten bestehen:
- Mehr als zwei der folgenden Symptome treten auf: klumpiger oder harter Stuhl bei mehr als 25 Prozent der Stuhlentleerungen, starkes Pressen bei mehr als 25 Prozent der Stuhlentleerungen, subjektiv unvollständige Entleerung bei mehr als 25 Prozent der Stuhlentleerungen, subjektive Obstruktion bei mehr als 25 Prozent der Stuhlentleerungen, manuelle Manöver zur Erleichterung bei mehr als 25 Prozent der Stuhlentleerungen, weniger als drei spontane Stuhlgänge pro Woche
- Weiche Stühle kommen ohne die Einnahme von Laxanzien (Abführmittel) nur selten vor.
- Die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom sind nicht erfüllt.
Verstopfung erschwert das Leben
Für die Betroffenen einer chronischen Verstopfung kann die Lebensqualität deutlich vermindert sein. Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Druck im Darm, Übelkeit, Schmerzen beim Stuhlgang sowie das Gefühl unvollständiger Entleerung belasten stark. Hinzu kommt der Frust, wenn „es wieder nicht klappt“. Was vielen nicht bewusst ist: Anhaltende Verstopfung kann langfristig zu weiteren gesundheitlichen Beschwerden führen.
Chronische Verstopfung hat Folgen für den Darm
Schweres Essen oder eine geringe Flüssigkeitszufuhr können den Stuhltransport verlangsamen. Problematisch wird Verstopfung dann, wenn sie anhaltend ist.
„Chronische Verstopfung kann unter anderem ein Hämorrhoidalleiden begünstigen“, sagt Professor Dr. med. Heiner Krammer, Facharzt für Innere Medizin. „Auch steigt das Risiko für Stuhlinkontinenz, Analfissuren, einen Analprolaps und Darmausstülpungen.“
Das Bindegewebe in Darm und Beckenboden nimmt durch den anhaltenden Druck und das ständige Pressen auf der Toilette sowie die Dehnung durch den Stuhl langfristig Schaden. Chronische Verstopfung sollte daher immer behandelt werden. Zum einen, um den Leidensdruck der Betroffenen zu lindern, zum anderen, um gesundheitlichen Folgen vorzubeugen.
Zur Person
Professor Dr. med. Heiner Krammer ist Facharzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Gastroenterologie, Proktologie, Koloproktologie (BCD) und Ernährungsmedizin (DGEM) am Magen-Darm-Zentrum Mannheim und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Gastro-Liga e.V.
Hämorrhoiden: Die bekannteste Folge von Verstopfung
Hämorrhoiden gehören zu den bekanntesten Folgen anhaltender Verstopfung. Jeder Mensch hat das hämorrhoidale Gewebe. Die schwellkörperartigen Gefäßpolster stellen zusammen mit der Muskulatur des Schließmuskels den Feinverschluss des Afters sicher. Problematisch werden Hämorrhoiden dann, wenn sie sich krankhaft vergrößern. „Verstopfung ist deshalb ein so bedeutender Risikofaktor für Hämorrhoiden, da sich beim Pressen auf der Toilette Blut in den Polstern staut, welches das Gewebe dehnt“, erklärt Krammer. „Auch langes Sitzen auf der Toilette mit unnötigem Pressen lässt die Hämorrhoiden anschwellen.“
