Mobilität in Hamburg
Verkehr nimmt ab – vor allem eine Entwicklung überrascht
21.08.2026 – 09:09 UhrLesedauer: 2 Min.
Auf Hamburgs Straßen und in Bussen und Bahnen war im ersten Halbjahr weniger los. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei einem Verkehrsmittel aus.
In Hamburg ist der Verkehr im ersten Halbjahr 2026 zurückgegangen. Das betrifft Autos ebenso wie Busse und Bahnen – am deutlichsten fiel das Minus allerdings beim Fahrradverkehr aus. Wie aus dem Mobilitätsmonitor der Hamburger Verkehrsbehörde hervorgeht, wurden an den Zählstellen der Stadt sechs Prozent weniger Radfahrer registriert als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Autoverkehr nahm dagegen nur um zwei Prozent ab.
Für die Auswertung greift die Stadt auf knapp 300 Zählstellen für Kraftfahrzeuge und rund 100 für Fahrräder zurück. Zahlen dazu, wie sich der Fußgängerverkehr entwickelt hat, gibt es nicht. Entsprechende Daten werden nach Angaben des Senats nicht erhoben.
Auch im HVV weniger Fahrgäste
Leicht rückläufig waren auch die Fahrgastzahlen im Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Von Januar bis Juni wurden 541,1 Millionen Fahrgäste gezählt. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 547,7 Millionen. Das entspricht einem Minus von rund 1,2 Prozent. Als wichtigen Grund nennt der HVV die Verdi-Streiks im Spätwinter.
Doch warum ging ausgerechnet der Radverkehr so deutlich zurück? Ein Blick auf die Wetterdaten liefert eine mögliche Erklärung.
Deutlich mehr Regen- und Schneetage
Zwar lag die Durchschnittstemperatur wie im Vorjahreszeitraum bei neun Grad. Dafür waren die Wetterextreme größer: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Hamburg Temperaturen zwischen minus 13 und plus 39 Grad gemessen. Ein Jahr zuvor lagen die Extremwerte bei minus 10 und plus 34 Grad.
Noch auffälliger ist die Zahl der Tage mit Schnee oder Regen. Sie stieg von 66 auf 89. Auch die Niederschlagsmenge nahm deutlich zu: von 171 auf 265 Millimeter. Das könnte dazu beigetragen haben, dass viele Hamburger ihr Fahrrad häufiger stehen ließen.
Hohe Spritpreise könnten Autofahrer gebremst haben
Beim Autoverkehr könnten zudem die hohen Kraftstoffpreise eine Rolle gespielt haben. Infolge des Iran-Kriegs waren die Spritpreise gestiegen. Eine bundesweite Umfrage der Teambank aus dem April zeigte, dass fast jeder dritte Autofahrer sein Fahrzeug wegen der gestiegenen Kosten häufiger stehen ließ. Bei den unter 30-Jährigen waren es demnach sogar 35 Prozent.
Für den Rückgang des Verkehrs kommen damit mehrere Faktoren infrage: Streiks belasteten den Nahverkehr, hohe Spritpreise könnten Autofahrer zum Umdenken bewegt haben – und beim Fahrrad dürfte vor allem das nasse Wetter Spuren hinterlassen haben.