Auch der „Tagesspiegel“ berichtete unter Berufung auf interne Informationen über diesen Vorwurf. Allerdings: Die Zeitung „Welt“ konnte nach eigenen Angaben behördeninterne Dokumente einsehen. Darin hätten sich keine Belege für eine bewusste Vertuschung gefunden.

Die zuständige Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Die Linke) stellte wenige Tage nach Bekanntwerden des Skandals ebenfalls klar: „Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen.“ Das Jugendamt habe zunächst entschieden, „nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn hierfür auch das Einverständnis des Opfers vorliegt“. Dies sei ein übliches Vorgehen, so Nagel. Der Hintergrund der Täter habe hingegen „zu keinem Zeitpunkt eine Rolle“ gespielt, betonte die Linken-Politikerin.

Allerdings kam am Donnerstag in einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses ans Licht, dass es wohl schon seit Februar 2025 immer wieder zu sexueller Gewalt in der Einrichtung gekommen sein soll. Nagel sagte laut RBB in der Sitzung: Als sich herausgestellt habe, dass es „nicht nur einmal“, sondern „mehrfach“ entsprechende Vorfälle gegeben haben soll, „hätte es im Jugendamt einen besser strukturierten Prozess geben müssen, um auch die Einrichtung besser zu unterstützen“, so Nagel.

Auch die „Welt“ berichtete unter Berufung auf interne Dokumente, es habe weitere sexuelle Übergriffe auf Mädchen gegeben. Es sei üblich gewesen, dass die Mädchen auf sogenannte „Safe Words“ hätten zurückgreifen müssen, um Mitarbeiter auf unangenehme Situationen aufmerksam zu machen.

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) fordert nun politische Konsequenzen: Die Leiterin des Jugendamts müsse freigestellt werden, bis der Fall aufgeklärt sei. „Weil momentan im Raum steht, dass bewusst Rechtsgrundlagen im Sinne des Kinderschutzes eines minderjährigen Mädchens missachtet worden sind“, sagte Günther-Wünsch am Donnerstag im Bildungsausschuss in Richtung von Stadträtin Nagel.

Diese konterte am Freitag im „Tagesspiegel“: „Ich prüfe in alle Richtungen, aber ich halte mich an das Beamtenrecht. Und das sieht keine willkürlichen Freistellungen vor“, sagte Nagel. „Wenn im Laufe der Untersuchungen Anhaltspunkte bestehen, dann werde ich auch personelle Konsequenzen ziehen.“

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