Verbraucherschutz

Verein will Pflichtversicherung für alle Hausbesitzer


09.04.2026 – 07:40 UhrLesedauer: 3 Min.

Verwüstung im Ahrtal: Nur 57 Prozent der Hausbesitzer in Deutschland sind gegen Hochwasserschäden versichert. (Quelle: Christoph Reichwein /imago)

Die Bundesregierung möchte die Elementarschutzversicherung zur Pflicht machen. Einzelheiten sind noch unklar. Die Umweltorganisation Urgewald hat klare Vorstellungen und will auch die Industrie stärker in die Pflicht nehmen.

In der Debatte über die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Hochwasser- und andere Elementarschäden spricht sich die Umweltorganisation Urgewald für eine Orientierung am französischen Modell aus. „Das dortige System zeigt, wie eine kostengünstige, solidarische und gleichzeitig stabile Absicherung gegen zunehmende Klimaschäden aussehen soll“, sagt Urgewald-Campaignerin Anna Lena Samborski und verweist auf die hohe Absicherungsquote im westlichen Nachbarland.

98 Prozent der Gebäude sind in Frankreich gegen Überschwemmungen oder Starkregen versichert. Zum Vergleich: In Deutschland verfügen zwar 96 Prozent der Hausbesitzer über eine Gebäudeversicherung. Diese versichert aber nur Schäden durch Blitzschlag, Hagel, Feuer und Leitungswasser. Eine Elementarversicherung, die Hochwasser absichert, haben nur rund 57 Prozent der Hausbesitzer.

Regelmäßig musste in der Vergangenheit der Staat einspringen und betroffene Hausbesitzer entschädigen: So stellten Bund und Länder nach der verheerenden Ahrtal-Flutkatastrophe 2021 insgesamt 30 Milliarden an Soforthilfen zur Verfügung. Um dieses „Samariterdilemma“ zukünftig zu vermeiden, will die Bundesregierung eine Pflichtversicherung gegen Elementargefahren einführen. Die genaue Ausgestaltung ist bislang aber unklar.

Das seit 1982 bestehende französische „regime catastrophe naturelle“, kurz „CatNat“-System, zeige, „wie ein solidarisches Modell auch in Deutschland aussehen könnte“, schreibt Urgewald in einer Pressemitteilung. Die Elementarversicherung ist in Frankreich ein verpflichtender Bestandteil aller Hausrat-, Wohngebäude- und Kfz-Versicherungen. Die Höhe der Versicherungsprämie ist dabei staatlich festgelegt: Die jährliche Durchschnittsprämie beträgt rund 42 Euro für den Elementarschutz. In Deutschland bemisst sich die Höhe der Prämie indes am individuellen Risiko, sprich: an der Lage des Hauses. Vor allem Menschen in Risikogebieten zahlen daher sehr hohe Beiträge für ihren Versicherungsschutz, sofern sie diesen überhaupt bekommen.

Abgesichert wird das System in Frankreich über den öffentlichen Rückversicherer Caisse Centrale de Réassurance (CCR). Ein eigens eingerichteter Fonds, in denen Teile der Versicherungsprämien fließen, finanziert zudem Präventionsmaßnahmen, etwa den Bau von Deichen.

Der GDV hatte im vergangenen Dezember ein eigenes System namens „Elementar Re“ vorgestellt. Kern des Vorschlags: 400.000 besonders von Hochwasser gefährdete Häuser sollen in einem eigenen Risikopool gebündelt werden. Die Prämien sollen begrenzt bleiben, um so auch Versicherungsschutz in Risikogebieten gewährleisten zu können. Die Mehrkosten zahlt jeder einzelne Versicherte durch einen Zuschlag auf seinen eigenen Beitrag.

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