Wirbel um Konzertabsagen

Veranstalter rechnet mit Musikern ab: „Das macht keiner mit“


15.07.2026 – 15:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Markus Krampe: Er veranstaltet seit Jahren Events und Festivals. (Quelle: IMAGO/Eventpress Becher)

Fans schieben die Schuld für abgesagte Konzerte auf zu hohe Ticketpreise. Festivalveranstalter Sebastian Krampe hingegen sieht einen anderen Sündenbock.

Wincent Weiss, Max Giesinger, Gabriel Kelly: In den vergangenen Wochen haben mehrere Musiker Konzerte abgesagt, weil zu wenige Tickets verkauft wurden. Die Konzertbranche steckt in der Krise. Fans machen dafür vor allem die gestiegenen Kartenpreise verantwortlich.

Doch Markus Krampe, der als Veranstalter von Festivals wie dem Glücksgefühle-Festival, 80er Live, Inselfieber und Rainbow seit Jahren in der Branche tätig ist, hat im Gespräch mit „Express.de“ eine weitere Ursache benannt: Einige Künstler und ihre Managements seien zu gierig geworden.

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Als Beispiel nennt Krampe Wincent Weiss, der 2023 bei der Premiere des Glücksgefühle-Festivals aufgetreten war. „Seitdem ist die Gagenforderung für ihn um 40 Prozent gestiegen. Doch jetzt hat er ein Problem. Durch die Konzertabsage ist sein Marktwert erheblich gesunken. Nun habe ich die Karten in der Hand und würde 2027 nicht mehr die Gage wie vor zwei, drei Jahren zahlen“, erklärt er.

„Das macht keiner mit“

Hinzu kommen laut Krampe gestiegene Kosten für Technik, Dienstleister und Arenen, die nach der Coronapandemie stark angezogen hätten. Am Ende tragen die Konzertbesucher die Last. Krampe klagt an: „Amerikanische Stars haben schon immer unverschämte Preise aufgerufen. Aber jetzt wollen auch deutsche Pop-Künstler, die vor wenigen Jahren 60 Euro pro Karte kosteten, 100 Euro haben. Das macht keiner mit.“

Wincent Weiss: Der Musiker musste ein Konzert in Hessen absagen. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-bilder)

Den Vorwurf, Veranstalter seien die eigentlichen Preistreiber, weist er zurück: „Es wird immer auf die geldgierigen Veranstalter geschimpft. Aber wenn die Kosten für Konzertinfrastruktur und Gagen fast verdoppelt wurden, was will man da machen?“

Krampes eigenes Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring bleibt von der Krise bisher verschont: Das viertägige Event werde wieder 250.000 Besucher anziehen. Langfristig sieht er vor allem mittelgroße Veranstaltungen unter Druck. „Die Leute gehen zu den Megastars, weil sie die einmal sehen wollen, oder sie feiern beim Straßenfest mit Gratisauftritten“, so Krampe.

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