Hoffnung für Christa Pike

Gericht stoppt historische Hinrichtung


Aktualisiert am 30.09.2026 – 17:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Christa Pike im Jahr 2016 (Archivbild): Sie sollte am Mittwoch durch die Giftspritze hingerichtet werden. (Quelle: Tennessee Department of Correction/ap)

Erstmals seit mehr als 200 Jahren soll in Tennessee eine Frau wegen Mordes hingerichtet werden. Eine Stunde vor der geplanten Tötung schaltet sich ein Gericht ein.

Kurz vor einer historischen Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee hat ein Berufungsgericht das Vorhaben gestoppt. Die zum Tode verurteilte Christa Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun inhaltlich geprüft werden müssten, entschied das Gericht. Zentraler Punkt dabei ist die gerichtliche Würdigung der Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitt.

„Die Endgültigkeit der bevorstehenden Hinrichtung von Pike“ erfordere die Gewährung eines kurzen Hinrichtungsaufschubs, um die dargelegten Argumente angemessen zu analysieren, erklärte das Gericht. Wie viel Zeit das Gericht der Prüfung einräumt, ist unklar.

„Kann ich bitte noch meine Mama umarmen?“

Pike hätte am Mittwoch um 10 Uhr Ortszeit in Nashville (17 Uhr deutscher Zeit) hingerichtet werden sollen – es wäre die erste Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen. Die heute 50-jährige Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. „Kann ich bitte noch meine Mama umarmen?“, schluchzte sie, nachdem die Richterin damals das Urteil verkündet hatte.

Den Mord beging sie mit zwei weiteren Teenagern. Von den drei Tätern wurde nur Pike zum Tode verurteilt. Ihr damaliger Freund, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt, kam mit einer lebenslangen Haftstrafe davon. Eine Teenagerin, die Schmiere stand, erhielt eine Bewährungsstrafe.

Christa Pike: „Ich gehe die Hinrichtung jeden Tag im Herzen durch“

Mehrere Organisationen wollen die Vollstreckung verhindern. Amnesty International verwies darauf, dass die Verurteilte in ihrer Kindheit Vergewaltigung, körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung erlitten habe. Auch Experten der Vereinten Nationen forderten einen Stopp.

„Ich finde nicht, dass jemand mich töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten“, zitierte die „New York Times“ die verurteilte Pike. „Ich gehe diese Hinrichtung jeden Tag in meinem Herzen durch“, sagte sie in einer Audioaufnahme, die ihre Anwälte der Zeitung zur Verfügung stellten.

In einem Brief an den Nachrichtensender NBC News schrieb sie: „Ob mir Gnade gewährt wird oder nicht, ich bin im Frieden.“ Sie habe keine Angst vor dem Tod. „Ich bin nur wegen des Verfahrens nervös.“

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