„Widerwärtig, ekelerregend“

Fall Epstein: Baerbock rechnet mit Machtelite ab

Aktualisiert am 13.02.2026 – 14:49 UhrLesedauer: 2 Min.

Annalena Baerbock (Archivbild): „Wäre Lindsey Vonn ein Mann, gäbe es auch unterschiedliche Kommentare.“ (Quelle: IMAGO/Evan Schneider/imago)

Annalena Baerbock wurde für ihre feministische Außenpolitik hart angegangen. Im t-online-Interview spricht sie über den Fall Epstein und die Verachtung von Frauen – nicht allein in den Tech-Eliten.

Die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sieht im Skandal um Sexstraftäter Jeffrey Epstein auch einen Beleg für die Verachtung von Frauen in weiten Teilen der Gesellschaft. „Wir sehen Enthüllungen über ein weltweites System, von vor allem männlichen Machtakteuren, wie Frauen und Mädchen als Waren betrachtet werden“, sagte Baerbock im Interview mit t-online und spielte damit auf den Fall Epstein an. „Widerwärtig, erschreckend. Einfach alles daran“, ergänzte sie.

Baerbock sprach mit Blick auf die jüngste Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten von „Machteliten, die sich gegenseitig bezüglich kriminellen Kindesmissbrauchs schützen und die zugleich zentrale Akteure sind in der ganzen unregulierten digitalen Welt der Plattformen und Künstlichen Intelligenz“. Das beeinflusse auch die globale Sicherheit, „weil dahinter natürlich auch unglaubliche Erpressungspotenziale stecken“. Neben unabdingbarer Aufklärung und dem Opferschutz sollten sich jetzt all diejenigen, die den Einsatz für Frauenrechte bisher als Gedöns abgetan haben, mal dringend hinterfragen.“

Baerbock, die gemeinsam mit Robert Habeck als Vorsitzende die Grünen geführt hatte, amtierte von 2021 bis 2025 als Bundesaußenministerin. Seit vergangenem Jahr ist sie Präsidentin der 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Baerbock kritisierte im t-online-Interview die öffentliche Darstellung von Frauen. „Wäre Lindsey Vonn ein Mann, gäbe es auch unterschiedliche Kommentare. Aber grundsätzlich hätten alle gesagt: ‚Was für ein harter Hund.‘ Und niemals: Er sei zu ehrgeizig oder alles reine Selbstinszenierung“, so die UN-Diplomatin.

Für Baerbock ein Beleg einer zunehmenden Verachtung von Frauen – nicht nur in der toxischen Tech-Branche rund um Elon Musk. „Es gibt Studien, dass der Grad der akzeptierten Verhaltensweisen von Frauen immer schmaler wird, je höher sie kommen; während es bei einem auf Instagram essenden Ministerpräsidenten heißt: ‚Ei, der Markus halt.‘ Einige meinen dann, dass eine Ex-Außenministerin auf gar keinen Fall Taxi fahren und dabei auch noch High Heels tragen darf“, rügte die UN-Diplomatin.

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