TÜV-Studie: Mehrheit will Tempolimit! | Leben & Wissen

Auf der einen Seite: für Tempo 130, mehr ÖPNV, Rentner-Checks – aber dennoch: Ohne eigene Karre geht nichts.

Wir Deutschen sind schon komische Typen. Beim Thema Auto geht es regelmäßig mit uns durch. Was wir wirklich denken, hat jetzt der TÜV-Verband versucht mit seiner „Mobility Studie 2022“ (1000 Befragte) herauszubekommen.

Die wichtigste Erkenntnis: Das Auto bleibt Verkehrsmittel Nummer eins! Auf die Frage, welches Verkehrsmittel nutzen Sie an einem gewöhnlichen Werktag, nannten 72 Prozent das Auto, sieben Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. 2021 war die Studie wegen Corona ausgefallen. Das Fahrrad nutzen 32 Prozent (plus drei Prozentpunkte), den öffentlichen Personennahverkehr 25 Prozent (minus sieben Prozentpunkte).

Autonutzung und Tempo-Limits

In Städten unter 20 000 Einwohnern nutzen 83 Prozent das Auto, den ÖPNV nur zehn Prozent. In Städten über 500 000 Einwohnern sind es beim Auto immerhin noch 66 Prozent, beim ÖPNV dann aber bereits 39 Prozent.

Spannend: Ein generelles Tempolimit von 130 km/h befürworten laut TÜV-Studie aktuell die Mehrheit der befragten, nämlich 56 Prozent – nur 38 Prozent lehnen es ab! Ein 30-km/h-Tempolimit in Städten dagegen wünschen sich nur 40 Prozent der Befragten. Hier ist die Mehrheit mit 55 Prozent dagegen.

Nachhaltigkeit wird wichtiger, Verzicht aufs Auto nicht

Die Frage, welche Rolle der Umwelt- und Klimaschutz bei der Wahl (und Anschaffung ) ihres Verkehrsmittels spielt, beantworteten 54 Prozent mit „spielt eine große Rolle“. 55 Prozent würden dennoch nicht aufs Auto verzichten, weil „viele Aktivitäten ohne eigenes Auto zu beschwerlich“ sind. Und nur 19 Prozent ist es am Ende besonders wichtig, umweltfreundlich unterwegs zu sein.

Hinzu kommt, dass der öffentliche Nahverkehr für 50 Prozent und das Fahrrad für 35 Prozent nicht verfügbar oder zu unsicher sind. Auch an einer ausreichenden Carsharing-Alternative mangelt es laut 30 Prozent der Befragten.

Und wie sieht es beim nächsten Autokauf aus? Laut Studie plant heute schon jeder vierte, als nächstes Fahrzeug ein Elektroauto zu kaufen. Ganze 71 Prozent halten die Reichweite von E-Autos allerdings für unzureichend.

Sicherheit, ein wichtiges Thema

Beim Thema Sicherheit sind sich die Deutschen einig. Eine Null-Promille-Grenze fordern laut TÜV 80 Prozent der Befragten. „Feedback“-Fahrten für Senioren über 75 halten 75 Prozent für sinnvoll.

Mit der geplanten Cannabis-Legalisierung rücken der Konsum und die Teilnahme am Straßenverkehr in den Fokus. Nur 42 Prozent der Befragten gaben an, sich ausreichend über die Regelungen zu Cannabis und Straßenverkehr ausreichend informiert zu fühlen. Generell ordnen 85 Prozent der Befragten Drogen im Zusammenhang mit dem Autofahren als „sehr gefährlich“ ein.

Auch die technische Sicherheit von Autos ist für die Befragten wichtig. Denn: Ab Juli 2022 müssen in neuen Fahrzeugen Assistenzsysteme wie Notbremsassistent, Müdigkeitswarner oder intelligenter Geschwindigkeitsassistent verbaut sein!

Laut Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, können auch Assistenzsysteme verschleißen. „Sind Sensoren beschädigt oder falsch ausgerichtet, können sie zu Fehlfunktionen des Systems führen“, so Bühler. Drei von vier Befragten sprechen sich dafür aus, dass Assistenzsysteme von unabhängigen Stellen geprüft werden.

Übrigens: 57 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer haben keine Erfahrungen mit den Assistenzsystemen, die Autos heute bieten.

Geschäftsführer Bühler stellte die Studie in Berlin vor, forderte: „Die Umfrage zeigt, was wir brauchen: den Ausbau des ÖPNV, der E-Ladeinfrastruktur, bezahlbare E-Autos statt E-Luxus-SUV und -Sportwagen. Und: Es kann nicht sein, dass wir bei der HU die Bremsen eines Autos prüfen, aber nicht den Notbremsassistenten. Wir brauchen den Zugang auch zu diesen Systemen.“

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