Also nur ein Zufall? „Zu viele Zufälle verweisen auch auf Unvermögen“, meint Schindler. Er sieht auch Fehler auf russischer Seite. „Man darf das Unvermögen der russischen Geheimdienste nicht unterschätzen. So herausragend arbeiten sie nicht.“
Dabei verweist Schindler beispielsweise auf einen islamistischen Anschlag auf die Moskauer Konzerthalle Crocus City Hall im März 2024. Trotz intensiver Warnungen von US-Seite konnte Russland nicht verhindern, dass dort 149 Menschen starben. Auch beim aktuellen Vorgehen passieren immer wieder Fehler. So hinterließ ein Täter in Leipzig seine DNA am Tatort. „Das passiert heute eigentlich nicht mehr“, meint Schindler.
Auch wenn die Drohnen zuletzt nur per Zufall gefunden wurden, so sieht Schindler auch die deutschen Sicherheitsdienste als entscheidend dafür an, dass bisher nicht mehr passiert ist. Zahlreiche Sabotage- und Anschlagspläne wurden aufgedeckt, mehrere Spione bereits verurteilt. Unter ihnen befinden sich viele sogenannte Wegwerfagenten. Darunter versteht man Amateure ohne entsprechende Ausbildung, die vom Geheimdienst angeworben werden, um bestimmte Missionen und Anschläge umzusetzen.
Dennoch sieht der Experte Russland im Vorteil. „Russland braucht bloß einmal erfolgreich sein, Deutschland muss dagegen in 100 Prozent der Fälle erfolgreich sein“, sagt Schindler. Da Deutschland aber kein Überwachungsstaat sei, gebe es immer Lücken. Das müsse man akzeptieren. Dennoch sei es insbesondere auf rechtlicher Ebene wichtig, weitere Befugnisse für die Terror- und Spionageabwehr zu ermöglichen.
Ein tatsächlicher Angriff hätte andere Folgen
Sich in Zukunft weiterhin auf russische Zurückhaltung, Unvermögen und ein limitiertes Sicherheitssystem zu verlassen, dürfte womöglich irgendwann nicht mehr ausreichen. Und so scheint es nur eine Frage der Zeit, bis bei einem Vorfall doch mal etwas passiert.
Doch was geschieht, wenn eine Drohne in Zukunft tatsächlich auf einem Militärgelände explodiert und dort echten Schaden anrichtet? „Dann kann man kaum noch von einem hybriden Krieg reden“, meint Schindler. Dann werde Deutschland zumindest Nato-Artikel 4 anwenden, der offizielle Beratungen der Mitgliedsstaaten zur Folge hat. Zuletzt hatte Polen dies nach dem Eindringen russischer Drohnen vor einem Jahr in Anspruch genommen. Und auch direkte militärische Reaktionen seien dann nicht ausgeschlossen.
Womöglich legt es Russland in Zukunft doch noch einmal darauf an, Deutschlands rote Linien auszuloten.
