Seit einigen Jahren tragen auch jüngere Menschen zu besonderen Anlässen wieder Trachten. Wie kam es zu diesem Trend?
Anfang der 2000er Jahre begannen sich die Dinge zu ändern. Junge Menschen nahmen plötzlich eine spielerische Haltung gegenüber Traditionen ein, deren politische Konnotationen an Bedeutung verloren. Gleichzeitig erfreuten sich Vintage-Mode und regionale Identität zunehmender Beliebtheit. Auch außerhalb Bayerns werden Dirndl und Lederhosen heutzutage zu bestimmten Anlässen getragen und gelten vielerorts als Identitäts- und Zugehörigkeitsstifter.

Wird der Trachtentrend durch die sozialen Medien vorangetrieben?
Wir leben in einem Zeitalter der Bilder, daher ist Folklore ein hervorragendes Motiv. Besonders in den sozialen Medien möchten die Menschen zeigen, was sie einzigartig und besonders macht, und gleichzeitig mit globalen Trends Schritt halten. Es ist wichtig, sich zugehörig zu fühlen und seinen Platz in der Welt zu kennen. Trachtenmode lässt sich schnell an- und ausziehen, ist flexibel tragbar und hat Symbolwirkung.

Was symbolisiert die Tracht im Deutschland des 21. Jahrhunderts?
Traditionelle Kleidung ist eine Form der Kommunikation. In der heutigen schnelllebigen und flüchtigen Welt besteht eine Herausforderung darin, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund immer seltener aufeinander treffen – auch weil wir ein zunehmend digitales Leben führen. Traditionelle Kleidung kann ein Grund sein, sich persönlich zu treffen und sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Es symbolisiert auch Gemeinschaft, gute Stimmung und Spaß.

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