Extremwetter
Zwei Tote, Tausende Einsätze: Rekord-Hitze in Berlin
28.06.2026 – 21:21 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Temperaturen kletterten auf nie gemessene Höhen und forderten ihren Preis. Berlins Rettungskräfte standen vor einem extrem intensiven Wochenende.
In Berlin und Brandenburg sind am vergangenen Wochenende neue Hitzerekorde gemessen worden. In Berlin-Tempelhof zeigte das Thermometer laut vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 39,9 Grad Celsius, in Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree sogar 41,7 Grad – zum Zeitpunkt der Messung ein deutschlandweiter Rekord. Zwei Menschen kamen bei Badeunfällen ums Leben, die Berliner Feuerwehr rückte allein am Samstag zu mehr als 2.000 Einsätzen aus.
Die beiden tödlichen Badeunfälle ereigneten sich am Samstag. Gegen 13 Uhr entdeckte eine Gruppe in einem Schlauchboot eine leblose Person im Jungfernheideteich in Charlottenburg. Die Menschen holten den 42-jährigen Mann aus dem Wasser und begannen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Der alarmierte Rettungsdienst setzte diese fort, musste jedoch noch vor Ort den Tod des Mannes feststellen. Kurze Zeit später wurde ein 51-Jähriger leblos im Wasser treibend am Tempelhofer Hafen entdeckt. Feuerwehrleute bargen ihn, konnten aber ebenfalls nur noch den Tod feststellen.
Wasserwerfer kühlen Berliner ab
Viele der Feuerwehreinsätze am Samstag gingen auf Schwindel und Kreislaufprobleme zurück. In den Freibädern der Stadt bildeten sich teils sehr lange Schlangen, der Ticketverkauf wurde an beiden Tagen gestoppt und nicht alle Besucher konnten eingelassen werden. Abseits der Bäder wirkten beliebte Orte wie das Tempelhofer Feld oder der Park am Gleisdreieck vor allem am Samstag verwaist. Die Berliner Polizei fuhr an beiden Tagen mit Wasserwerfern durch die Stadt und beregnete die Menschen, unter anderem am Brandenburger Tor.
Mehrere Veranstaltungen waren bereits vor dem Wochenende abgesagt worden. Einige Gewerkschaften sowie Sozial- und Wohlfahrtsverbände riefen dennoch zu einer Demonstration gegen geplante Sozialstaatsreformen der Bundesregierung auf. Laut den Veranstaltern kamen rund 3.000 Menschen. Für Sonntagabend rief Fridays for Future kurzfristig zu einer Kundgebung am Invalidenpark auf, die sich mit der Hitzewelle und der Klimakrise befasste.
Zug bleibt in Hauptstadtregion liegen
Auch zwei Konzerte von Bruno Mars sowie das Konzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne fanden statt. Die Philharmoniker verkürzten ihr Programm, weil sich am Samstagabend Gewitter der Stadt näherten. Für die Bruno-Mars-Konzerte wurden die Regeln zur Getränkemitnahme gelockert: Fans durften alkoholfreie Getränke in 1-Liter-Tetra-Paks oder Weichplastikflaschen mitbringen. Am Sonntag fuhren Polizeifahrzeuge mit Wasserwerfern auch zu den wartenden Fans.
Das Gewitter am Samstagabend brachte vor allem im Westen der Stadt kurz Regen und böigen Wind, aber nur vorübergehend Abkühlung. Die Feuerwehr rückte zu 27 wetterbedingten Einsätzen aus, konnte den ausgerufenen Ausnahmezustand aber schnell wieder aufheben.
Im brandenburgischen Karstädt blieb ein Zug der tschechischen Bahn auf seiner Fahrt zwischen Hamburg und Prag liegen. Weil der Zug keinen Strom mehr hatte, fiel auch die Klimaanlage aus. Mehr als 600 Passagiere waren betroffen und wurden schließlich in ein Notlager in einer Sporthalle gebracht. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bedankte sich bei den Einsatzkräften: „Bei extremer Hitze haben unsere Einsatzkräfte nahezu tausend Menschen geholfen. Sie standen dabei selbst unter extremer körperlicher Belastung“, schrieb er auf Instagram.










