Debatte um Rot-Rot-Grün

Top-Ökonomin unterstützt Vergesellschaftungen in Berlin

Von t-online, afp, reuters

12.10.2026 – 07:33 UhrLesedauer: 2 Min.

Ökonomin Isabella Weber (Archivbild): Die Forscherin spricht sich für die Verstaatlichung großer Wohnungsbaukonzerne aus. (Quelle: IMAGO/©World Economic Forum/Faruk Pin / Avalon/imago)

Rot-Rot-Grün verhandelt über einen Senat in Berlin. Umstritten ist unter anderem die Wohnungspolitik. Nun schaltet sich eine Top-Ökonomin in die Debatte ein.

Sie gilt als eine der renommiertesten Wirtschaftsforscherinnen Deutschlands, weit vor methodischen Traditionalisten wie Marcel Fratzscher: Isabella Weber. Die Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitete unter anderem an den Top-Universitäten Oxford und Harvard. Nun äußerte sich die Top-Ökonomin zu den umstrittenen Vergesellschaftungen von Wohnungsbaukonzernen in Berlin.

Die Wirtschafts-Rebellin sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „In Berlin haben die privaten Konzerne Marktmacht, daher: Es ist sinnvoll, die Berliner Wohnungskonzerne zu vergesellschaften. So lassen sich die Mieten leichter deckeln.“ Und weiter: „Was die Abschreckung angeht: Vielleicht muss man ganz grundsätzlich über die Rolle von Investoren wie Private Equity Fonds im Wohnungsbereich nachdenken.“

Die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte die Abgeordnetenhauswahl in Berlin unter anderem mit dem Vorhaben gewonnen, einen großen Wohnungsbaukonzern zu enteignen. Die Partei verhandelt mit Grünen und SPD über die Bildung eines Senats.

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Das mögliche Bündnis in der Hauptstadt ist unter anderem wegen antisemitischer Tendenzen in einzelnen Parteigliederungen der Berliner Linken in der Kritik. Auch Clan-Kontakte des Linken Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak sorgen für Unmut. In der Frage der Enteignung großer Wohnungsbaukonzerne stützt Ökonomin Weber aber Rot-Rot-Grün: „Natürlich baut eine Vergesellschaftung keine neuen Wohnungen, dafür muss der Staat mit Investitionen und anderen Politikmaßnahmen sorgen“, sagte sie weiter.

Kritik am Tankrabatt von Schwarz-Rot

Einwände gegen einen staatlichen Eingriff auf dem Mietmarkt wies die Forscherin zurück. „Ich will nicht den Markt abschaffen, sondern einen öffentlichen Akteur schaffen, der am Markt teilnimmt.“

Den Tankrabatt der schwarz-roten Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) sieht Weber kritisch. „Die Erfahrung zeigt, dass ein Tankrabatt von Mineralölkonzernen nur teils weitergegeben wird“, so die Forscherin.

Die renommierte Forscherin äußerte sich auch zu den jüngsten Wahlerfolgen der AfD. Sie sieht deren Aufstieg auch in mangelnden sozialpolitischen Akzenten der etablierten Parteien begründet. „Der Erfolg der AfD hat viele Gründe, unter anderem wirtschaftliche. 60 Prozent jener, die ihre finanzielle Lage als schlecht beurteilten, stimmten für die AfD“, sagte Weber der „Süddeutschen Zeitung“.

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