Tracer 9 GT+ mit allerlei hochklassigen Extras

Der noch recht junge Radar-Klub hat ein neues Mitglied: Yamaha hat sich dem erlauchten Kreis angeschlossen, dem schon BMW, Ducati, Kawasaki und KTM angehören, und nutzt für neuartige Assistenzsysteme jetzt ebenfalls Radartechnik aus dem Hause Bosch. Anders als die genannten Marken integrieren die Japaner die Elektronik in ein bestehendes Motorrad, ohne dieses elementar zu überarbeiten. Und sie tun das ungewöhnlicherweise im Segment von unter einem Liter Hubraum; anderswo geht es allein um die Großkaliber.

Mit einem Neunhunderter-Dreizylindermotor ausgerüstet, fährt der sehnig-schlanke Tourer Tracer 9 GT+ nun fast das gesamte Hightech-Arsenal der Luxustourer- oder Adventure-Flaggschiffe anderer Hersteller auf: radargestützter adaptiver Tempomat (ACC), semiaktives Fahrwerk, Schaltassistent, sämtliche sonstigen Assistenzsysteme wie Kurven-ABS, schräglagenfähige Traktionskontrolle und Slide-Control. Obendrauf gibt’s als Weltneuheit der Zweiradindustrie noch einen Bremsassistenten.

Das alles findet Platz in einem lediglich 230 Kilogramm wiegenden Kompakttourer, der vom aus der MT-09 bekannten, vorzüglichen Dreizylinder angetrieben wird und mit 119 PS bei 10.000 Umdrehungen die Minute keine Wünsche offenlässt. Die Plus-Variante der Yamaha Tracer 9 GT stellt die neue Spitzenversion der agilen Tracer-Familie dar. Sie ist – fast – vollständig ausgestattet mit massivem Hauptständer, zwei 30-Liter-Seitenkoffern und zehnstufiger Griffheizung. Dafür sind 230 Kilo plus ein paar Zusatzkilo für die Koffer nicht viel. Der Preis für das von Juni an lieferbare Motorrad beträgt ab 16.900 Euro inklusive Nebenkosten. Viel für eine Neunhunderter, nicht zu viel für einen feinen Tourer.

Viel Technik, wenig Gewicht

Ein markanter Unterschied zur weiterhin angebotenen Tracer 9 GT ist außer dem ACC das große, übersichtliche und informative TFT-Display im Cockpit samt Kartennavigation und neuen, endlich gut bedienbaren Lenkerschaltern, die des Nachts sogar hinterleuchtet sind. Kann Yamahas Rechnung, Hightech in kompakter Form zu offerieren, aufgehen?





Bilderstrecke



Yamahas Kompakttourer
:


Leicht im Plus

Sie könnte. Denn verglichen mit einer BMW R 1250 RT, einer KTM 1300 Super Adventure S oder einer Kawasaki H2 SX SE führt der sportive Tourer einen wesentlichen Vorteil ins Feld: das niedrigere Gewicht. Ein nicht unwesentlicher Punkt für die Zielgruppe solcher technisch hochgerüsteten Multifunktionswerkzeuge, sind die Käufer doch nicht selten um die 60 Jahre alt. Da werden Minder-Kilos oft als Plus empfunden. Weniger (Gewicht) ist mehr (Handling), und das ohne Einbußen an Ausstattung und Komfort.

Eindrucksvolle Stärken trotz kleiner Schönheitsfehler

Und mit ihrer Technik vom Motor bis zum Fahrwerk ist die sehnig-schlanke Japanerin exzellent aufgestellt. Ein zumeist sehr gut funktionierender Quickshifter der dritten Generation zum kupplungslosen Wechseln der sechs Gänge ist genauso vorhanden wie Kurven-ABS, schräglagenaktive Traktionskontrolle und nun eben der Abstandstempomat. Er macht seine Sache dem ersten Eindruck nach einwandfrei und kann eine nützliche Sache sein. Den Bremsassistenten vermochten wir auf der Probefahrt aus Anlass der Neuvorstellung des Fahrzeugs noch nicht ausreichend zu prüfen. Laut Hersteller gibt es im Cockpit optisch Alarm und erhöht unter Umständen auch die Bremskraft selbsttätig, wenn das Radarmodul an der Front mit einer Kollision rechnet, weil der Fahrer zu zaghaft bremst.

Alle Wünsche kann die Tracer 9 GT+ nicht erfüllen: Nicht den nach einem Keyless-Startsystem, auch eine Blinker-Rückstellautomatik weist sie nicht auf. Zudem werden ein paar praktische Kleinigkeiten vermisst: Smartphone-Staufach, ein Knopf am Lenker zum Ein-/Ausschalten der serienmäßigen Griffheizung oder ein Totwinkelwarner gehören dazu. Zudem müssen Tracer-Fahrer die ungewöhnliche Lichtausstattung mögen. Lediglich der rechte Scheinwerfer schickt Abblendlicht auf die Straße, der linke ist allein fürs Fernlicht da. Von vorne besehen, macht diese Aufteilung die Tracer 9 GT+ zum „Einauge“. Das kann man akzeptieren, muss aber nicht gefallen. Das sich bei Schräglage zuschaltende Kurvenlicht strahlt aus dem „falschen“, nämlich in Kurvenfahrt niedrigeren Zusatzscheinwerfer heraus.

Abgesehen von kleinen Schönheitsfehlern zeigt die Yamaha Tracer 9 GT+ eindrucksvolle Stärken. Sie bringt ihre Besatzung entspannt und komfortabel, aber gerne auch dynamisch ans gewählte Ziel. Am liebsten auf gewundenen Strecken über Berg und Tal.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.