Smartwatch D von Huawei im Test

Blutdruckmessen mit der Smartwatch ist das nächste große Ding. Noch beherrscht die Apple Watch dergleichen nicht. Wenn Cupertino so etwas bringt, muss die Technik perfekt und zuverlässig arbeiten. Doch einige Uhrenhersteller preschen schon jetzt vor und bieten Lösungen an, die zwar hier und da ein bisschen ruckeln, aber ein Pluspunkt für jene Nutzer sind, die aus medizinischen Gründen regelmäßig messen müssen.

Samsung misst den Blutdruck für seine Galaxy-Watch-Uhren mit einem optischen Photoplethysmogramm-Sensor, der Blutvolumen-Änderungen erfasst. Um daraus den richtigen Blutdruck zu ermitteln, muss man die Uhr kalibrieren. Man benötigt ein zusätzliches Blutdruckmessgerät mit Manschette und gibt das Ergebnis der herkömmlichen Messung in die Samsung-App ein. Das Ganze ist dreimal zu wiederholen und ein weiteres Mal nach jeweils vier Wochen. Anschließend kann man die Messung allein mit der Uhr vornehmen, man muss dazu rund 30 Sekunden ruhig sitzen, der Vorgang wird manuell angestoßen.

Das Verfahren funktioniert gut, die Werte stimmen. Es gibt jedoch keine Möglichkeit der kontinuierlichen Aufzeichnung über den ganzen Tag hinweg wie mit einem Langzeitmessgerät, das alle 15 Minuten misst. Eine solche Option bietet das Aktiia-Armband, das mit optischen Sensoren die Pulswellen der Arterien analysiert. Auch hier muss mit einem herkömmlichen Messgerät kalibriert werden. Die Messung selbst bemerkt man nicht. Man sollte allerdings wissen, dass ein Beschleunigungssensor die Ruhephasen ermittelt und nur dann misst. Gemessen wird kontinuierlich, aber man bekommt nur die Durchschnittswerte von Zwei-Stunden-Intervallen angezeigt. Ausreißer nach oben und unten sind damit nicht zu erkennen.

Dank Manschette als Medizinprodukt zugelassen

Nun geht auch der chinesische Hersteller Huawei mit einer Blutdruck-Smartwatch in den Markt. Die Watch D für 400 Euro ist als Medizinprodukt zugelassen, setzt nicht auf optische Sensoren und bedarf keiner Kalibrierung, weil die chinesischen Tüftler etwas umgesetzt haben, was man zunächst kaum glauben mag: Sie haben die Manschette eines herkömmlichen Blutdruckmessgeräts so verkleinert, dass sie zwischen Arm und Armband passt. Die maximale Mess-Abweichung liege bei drei Millimeter Quecksilbersäule. Respekt, da wollte es jemand wissen.

Der Preis der aufwendigen Mechanik ist ein gewisser Aufwand der Inbetriebnahme. Man muss den Handgelenksumfang ausmessen und eines der beiden beiliegenden Armbänder exakt anpassen. Die Druckmanschette befindet sich dann an der körperzugewandten Seite des Arms und wird, da es sich um Kunststoff handelt, von einem abnehmbaren Stoffüberzug geschützt, was Allergiker begrüßen werden. Obwohl sich das Ganze kompliziert anhört, ist die Uhr schnell angelegt und trägt sich komfortabel.

Überzeugender Anlauf für eine eine schnelle Blutdruckmessung

Die Blutdruckmessung muss manuell gestartet werden, und Huawei weist darauf hin, dass man sich dafür richtig hinsetzen muss, nämlich gerade auf einem Stuhl mit angewinkeltem Arm, sodass sich die Uhr auf Herzhöhe befindet. Glaubt die Software eine Abweichung zu erkennen, weist sie auf die richtige Sitzposition hin. Der Messvorgang gleicht jenem eines herkömmlichen Messgeräts. Die Manschette wird also aufgepumpt und anschließend langsam der Druck ab­gelassen. Wir ver­glichen mit einem herkömmlichen, ge­­eich­ten Messgerät, die Genauigkeit der Uhr ist hoch. Wer regelmäßig Blutdruck misst, weiß, dass die Werte schwanken. Insgesamt ein überzeugender Anlauf, wenn es um eine schnelle Blutdruckmessung geht. Mit der Watch D kann man zum Beispiel auch kommod im Büro messen.

Die Messungen lassen sich in der Huawei-Health-App ablesen, die es für Android oder das iPhone gibt. Im Nebenjob bringt die Uhr all jene Talente mit, die auch die Sportuhren des Herstellers auszeichnen: Bis zu 70 verschiedene Sportarten werden erfasst und gemessen, mit genauem GPS und Herzfrequenz, die Sauerstoffsättigung wird bestimmt, und es lässt sich ein Ein-Kanal-EKG zur Erkennung von Vorhofflimmern schreiben. Ferner zeigt die Uhr Push-Meldungen vom Smartphone, und ungeachtet des mechanischen Aufpustens der Manschette hält der Akku mehrere Tage durch. Dass die Watch D mit Maßen von 51 × 38 × 13,6 Millimetern etwas klobig wirkt, sei nicht verschwiegen. Das Amoled-Farbdisplay mit 456 × 280 Pixeln überzeugt indes mit brillanter, kräftiger Darstellung.

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