Erste Probefahrt mit dem Ferrari-SUV Purosangue

Die Welt im Jahr 2023. Das Ende des Verbrennermotors ist eingeläutet, Europa will vorangehen. Ferrari stemmt sich mit einem nagelneuen Auto dagegen.

Die Eckdaten des Purosangue: V12-Zylinder, 6,5 Liter Hubraum, kein Turbo, kein elektrischer Hilfsmotor, trotzdem 725 PS und ein maximales Drehmoment von 718 Newtonmeter, wovon 80 Prozent schon bei 2100/min anliegen. Von 0 auf 100 geht es in 3,3 Sekunden, in 10,6 Sekunden auf 200, Spitze gut 310 km/h.

Das ist alles so oder ähnlich, wie man es von einem Ferrari erwartet. Übrigens auch der Preis: 380.000 Euro. Doch vor einem steht eine Art SUV, 4,97 Meter lang, flach zwar, aber höher als bisher jedes andere Fahrzeug der Marke. Dazu hat es vier Türen, und die hinteren öffnen gegenläufig, sehr ungewohnt. Damit soll das Einsteigen erleichtert werden, was stimmt, und dazu ist im Fond ordentlich Platz, jedenfalls viel mehr als in den bekannten 2+2-Sitzern aus Maranello. Hinten finden sich aber nur zwei Einzelsitze, fünf Plätze sind schon deshalb nicht möglich, weil das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe an der Hinterachse sitzt (Transaxle-Bauweise) und Raum beansprucht. Es sorgt für eine ausgewogene Gewichtsverteilung von 49 zu 51.

„Ein Auto eigener Art“

Angetrieben werden alle vier Räder, die hinteren sind zudem ebenfalls gelenkt, bei höherer Geschwindigkeit mit bis zu einem Grad, beim Rangieren bewegen sie sich mit bis zu drei Grad mit und zudem gegenläufig. So lässt es sich leichter parken, wobei der Purosangue, der sperrige Name bedeutet in etwa „Vollblut“, mit einer Länge von knapp fünf Metern nicht übermäßig groß ist. Aber er wiegt trotz viel verbautem Aluminium für Motorhaube, Heckklappe und auch für den Space-Frame fast 2,2 Tonnen. Das Kofferraumvolumen beträgt knappe 473 Liter.

Ferrari meidet das Kürzel SUV wie der Teufel das Weihwasser, selbst die Bezeichnungen Crossover oder SAV, Sport Activity Vehicle, hören sie nicht gern. Er sei einfach ein Auto eigener Art und keinesfalls ein „Offroad-Car“, auch wenn unter den vielen Assistenzsystemen – es ist alles da, was heute gängig ist – eine Bergabfahrkontrolle ist. Seine Allrad-Talente soll er vor allem auf Schnee und Eis zur Verfügung stellen. Wie alle Ferrari hat auch der Purosangue am Lenkrad das Manettino mit fünf Einstellmöglichkeiten für Motor, Getriebe und Fahrwerk: Eis, Nässe, Komfort, Sport und für die wirklich ambitionierten Fahrer „ESC Off“. Zudem lässt sich jede Position durch Drücken auf „Soft“ oder „Medium“ einstellen, ferner gibt es noch „Hard“ für die beiden Sport-Positionen.

4,97 Meter lang





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Ferrari
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Purosangue

Viel zum Spielen wird also geboten, einfach nur in „Komfort“ fahren geht freilich auch. Das Getriebe schaltet kaum merklich, es wird ein für Ferrari ungewohnter Fahrkomfort geboten, das ändert sich bei „Sport“ natürlich sofort. Die Sitze vorn sind sehr bequem, heizen, lüften und massieren können sie, die Fondpassagiere müssen aufs Massieren verzichten. Um den Kofferraum zu erweitern, lassen sie sich elektrisch umlegen. Veganes Alcantara ist Serienausstattung so wie eine Burmester-Audio-Anlage mit 21 Lautsprechern. Und auch in diesem Ferrari hat der Beifahrer seine eigene Instrumenten-Einheit.

Was es nicht gibt, ist ein Navigationssystem oder eine Anhängerkupplung. Ersteres lasse sich prima durch ein Smartphone realisieren, Zweiteres ersetze man zu gewissem Maße durch ein optionales Heck-Trägersystem für Skier oder zwei Fahrräder. Er ist halt kein SUV, der Purosangue.

Fahrerisch macht er der Marke alle Ehre. Er bietet alles, was man von einem Auto aus Maranello erwartet: Performance, Genauigkeit, Sound, Grip und eine vorzügliche Bremsleistung dank Brembo-Bremsen aus Keramik. Etwas verschämt sei letztlich noch der Normverbrauch erwähnt: 17,3 Liter Super. Das lässt auf mehr als 20 Liter im Alltag schließen. Nun gut, der Tank fasst standesgemäße 100 Liter.

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