Kirchen in Starnberg

Taufprämie oder Familienhilfe? Debatte um Aktion in Kirche

Aktualisiert am 28.07.2026 – 13:31 UhrLesedauer: 3 Min.

Von der Prämie sollen junge Familien in den Kirchengemeinden in Starnberg profitieren. (Symbolbild) (Quelle: picture alliance / dpa/dpa-bilder)

500 Euro für Familien, die ihre Kinder katholisch taufen lassen: Dieses Angebot eines bayerischen Unternehmers sorgt selbst in der betroffenen Kirchengemeinde für Diskussionen.

Sollte ein Unternehmer mit Bargeld Familien zur katholischen Taufe ihrer Kinder bewegen? An einer 500-Euro-Prämie für die Täuflinge scheiden sich selbst in den betroffenen Starnberger Kirchengemeinden die Geister. „Wir haben Pfarreimitglieder, die sagen, du verkaufst damit das Ansehen der Kirche“, sagt der Starnberger Stadtpfarrer Andreas Jall der Deutschen Presse-Agentur. „Aber ich schaue da von unten her drauf: Wir wollen Familien helfen in dieser hochpreisigen Gegend.“

Bei vier Taufen hat der Unternehmer Peter Löw, der sein Geld unter anderem mit Immobilien verdient hat, die 500 Euro bereits Eltern übergeben – üblicherweise bar in einem Umschlag. Insgesamt 20.000 Euro hat er für die Aktion unter dem Namen „Starnberger Schutzengel“ für bis zu 40 Taufen bis Jahresende bereitgestellt. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Unternehmer sieht „einen kleinen Schubs“

Löw sagte der „Bild“-Zeitung, er sehe darin auch einen Anreiz, Kinder zu Gemeindemitgliedern zu machen: „Meine acht Kinder sind alle getauft. Ich habe mit jemandem aus dem Gemeinderat gesprochen. Er sagte, es habe in den letzten Monaten nur wenige Taufen gegeben. Da dachte ich mir: „Wie soll es denn in Zukunft weitergehen?“ Wenn ein kleiner Beitrag dazu führt, dass Eltern einen kleinen Schubs bekommen und sich für die Taufe entscheiden, dann ist das doch etwas Schönes.“ Der Unternehmer sprach in einer Mitteilung von einem „Zeichen der Verbundenheit mit der christlichen Gemeinschaft vor Ort“.

Schön, aber teuer: Im Landkreis Starnberg sind die Lebenshaltungskosten besonders hoch. (Symbolbild) (Quelle: Katrin Requadt/dpa/dpa-bilder)

Pfarrer: „Wir kaufen uns keine Christen“

Also eine Kopfprämie für katholische Täuflinge? So will Stadtpfarrer Jall die Aktion nicht verstanden wissen: „Wir kaufen uns keine Christen.“ Die Region Starnberg sei teuer und viele Familien könnten sich selbst als Doppelverdiener in normalen Berufen kaum mal einen Urlaub leisten, betonte Jall. Der Landkreis Starnberg wird in Studien regelmäßig als Gegend mit besonders hohen Lebenshaltungskosten genannt.

Als Löw Hilfe angeboten habe, habe Jall ihm deshalb Eltern von Täuflingen als Beispiel genannt – und der Unternehmer habe die Aktion ins Leben gerufen. „Bei uns ging es konkret um Hilfe für Familien“, betont Jall.

In den Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft löse das durchaus auch Kritik aus, sagt der Pfarrer. Der Regensburger Moraltheologe Rupert Scheule sprach gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gar von einem „sakramentalen Kopfgeld“. „Da existieren sehr unterschiedliche Sichtweisen“, sagt Pfarrer Jall. „Da gibt es auch moralische Vorbehalte – aber Moral muss man sich eben manchmal auch leisten können.“

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